Cannabis gegen Schmerzen

3. Dezember 2004, 21:56
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Niederlande: Entsprechendes Medikament nun in der Apotheke erhältlich

London/Amsterdam - Seit diesem Montag steht den holländischen Patienten ein neues Medikament gegen Schmerzen zur Verfügung: Cannabis. Das Medikament soll in erster Linie für Patienten gedacht sein, die an schweren Erkrankungen wie etwa Aids, multiple Sklerose oder Krebs erkrankt sind, berichtet BBC-Online.

Die weichen Drogen sind in den Niederlanden seit Jahren freigegeben: Das bedeutet, dass die Verwendung zwar illegal ist, aber toleriert wird. In Coffee-Shops darf Marihuana auch öffentlich verkauft werden. Seit etwas mehr als zwei Jahren untersucht das Governmental Bureau for Medical Cannabis (BMC) den Effekt von Cannabis auf Patienten. Schon seit einigen Jahren arbeiten auch Wissenschaftler in Großbritannien und Österreich an der Erforschung von Cannabis als Schmerztherapeutikum. In Holland hat die BMC gemeinsam mit der zuständigen UNO-Behörde gegen illegale Drogen eine Kultivierung der Pflanzen vereinbart. Demnach wird das Cannabis von zwei Lieferanten an die Apotheken geliefert. Das Medikament, das in einer fünf-Gramm Packung erhältlich ist, kostet rund 50 Dollar.

Opium als Heilmittel

Noch diese Woche wird entschieden, ob öffentliche Krankenkassen die Kosten für das Präparat übernehmen werden. Die Niederlande beschreiten in der Schmerztherapie generell neue Wege, denn seit März darf auch Opium als Heilmittel verschrieben werden. Dazu musste das Suchtgiftgesetz geändert werden. An der Erforschung von Cannabis als Medikament arbeiten derzeit auch andere Staaten wie Kanada, die USA, Schweiz und Belgien.

Vom 11. bis 13. September findet in Köln die 2. Konferenz Cannabis in der Medizin statt, berichtet Kurt Blaas, Mediziner und Obmann der österreichischen Arbeitsgemeinschaft Cannabis und Medizin (CAM). Einsatzmöglichkeiten für natürliche Cannabisprodukte bzw. THC (Dronabinol) sieht der Experte vor allem bei organisch bedingter Spastik (wie sie bei Multipler Sklerose und Querschnittlähmung auftritt), bei Schmerzzuständen, bei Appetitlosigkeit und Abmagerung im Rahmen fortgeschrittener AIDS- und Krebserkrankungen, bei Nebenwirkungen der Krebschemotherapie sowie bei anderen Ursachen von Übelkeit und Erbrechen und beim Glaukom (grüner Star). "Daneben wird über einen erfolgreichen Einsatz bei Epilepsie, Asthma, Bewegungsstörungen, Entzugssymptomen, reaktiver Depression und einigen weiteren Erkrankungen berichtet", so Blaas. (pte)

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