Abtreibungsstreit mittels Plastik

23. Oktober 2003, 14:42
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Sozialistische Jugend und Grüne standen vergangenes Wochenende in der Wiener Innenstadt gegenüber

Wien - Überdimensionale Kunststoffmodelle sollten am Samstag in der Wiener Innenstadt die Argumente von AbtreibungsgegnerInnen und -befürworterInnen verdeutlichen. Ein zwei Meter großer Plastikembryo namens Lisa auf der Seite von "Jugend für das Leben", ein überproportionierter Penis samt Tafel "Ich bin auch beteiligt" bei den Grünen. PassantInnen bleiben dennoch großteils unbeeindruckt.

Die Standpunkte waren naturgemäß entgegengesetzt: Die sich selbst als Lebensschützer bezeichnenden GegnerInnen der Fristenlösung pochen auf den Beginn des Lebens mit der Zeugung. Abtreibung sei daher Tötung, so ihre Ansicht. Als "hart erkämpftes Frauenrecht" bezeichnete Ludwig Dvorak, Vorsitzender der SJ Wien, die Möglichkeit des Schwangerschaftsabbruchs. "Die Forderung nach Abtreibungsverbot zeugt davon, wie wenig die AktivistInnen von 'Jugend für das Leben' über die Lebensrealität von Frauen wissen. Abtreibung sei weder Notlösung noch Tötung, jede Frau müsse selbst entscheiden können, ob sie Kinder haben will oder nicht, so Dvorak weiter.

Diskussionen entstanden hauptsächlich zwischen den VertreterInnen der beiden Lager, SpaziergängerInnen blieben nur selten stehen, und falls doch, dann eher, um sich die eigene Weltsicht bestätigen zu lassen. "Die Frauen sagen immer, dass es toll ist, was wir machen, die, die sich hineinsteigern, sind die Männer", rekapituliert etwa Claudia Sorger, eine Befürworterin.

Der Salzburger Weihbischof Andreas Laun, der sich gegen die Abtreibung stark macht, geriet im Gespräch mit seinen KontrahentInnen zeitweise etwas in Erklärungsnotstand, etwa wenn das Frauenbild der Kirche oder der Umgang mit Sexualität debattiert wurde.

Skandalöser Schüssel

Stefanie Vasold, Frauensprecherin der Sozialistischen Jugend nannte es "skandalös, dass Bundeskanzler Wolfgang Schüssel diesen Organisationen herzliche Grüße überbringt und ihnen für ihre frauenfeindlichen Aktivitäten viel Erfolg wünscht". Damit zeige die Bundesregierung ihr wahres Gesicht: "Die 3 Ks, Kinder, Küche, Kirche, werden schamlos propagiert. Frauen haben als Gebärmaschinen zu fungieren", so Vasold. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 1.9.2003)/red

  • SJ Wien: "Abtreibungsverbot heißt nicht weniger Abtreibungen, sondern mehr Frauen, die bei Abtreibungen sterben."
    foto: sj wien
    SJ Wien: "Abtreibungsverbot heißt nicht weniger Abtreibungen, sondern mehr Frauen, die bei Abtreibungen sterben."
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