Grenzenloser Protest

31. August 2003, 19:28
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Burgenland und Vas demonstrieren gegen Bergbaupläne

Narda (Nahring) - Dass das zusammenwachsende Europa zuweilen mehr sein kann als das grenzenlose Privatwirtschaften, kann man zurzeit im ungarischen Komitat Vas und dem angrenzenden Südburgenland beobachten. Am heutigen Samstag werden im kleinen Grenzort Narda (Nahring) rund 15.000 Menschen erwartet, um hier gegen den Plan eines großflächigen Braunkohleabbaus zu demonstrieren. Burgenländische Politiker quer durch alle Parteien, inklusive Landeshauptmann Hans Niessl (SP) und Stellvertreter Franz Steindl (VP), haben sich angesagt.

Protestiert wird vorsorglich. Noch ist nur eine Probebohrung ins Auge gefasst, die von der ungarischen Bergbaubehörde allerdings untersagt wurde. Die Betreiberfirma hat dagegen geklagt, nächste Woche verhandelt darüber das Komitatsgericht in Veszprem. Der Klage werden gute Chancen eingeräumt, denn der Antrag des Komitats Vas, das Gebiet unter Schutz zu stellen, wurde im Gesetz aus dem April dieses Jahres nicht berücksichtigt. Außerdem habe sich, erzählt der burgenländische Landtagsgrüne Josko Vlasich, herausgestellt, dass die Behörde sich auf Flächenwidmungspläne berufen habe, die es zum Teil gar nicht gibt oder fehlerhaft waren.

Sechs burgenländische und zwölf ungarische Gemeinden haben sich nun zu einer Allianz zusammengeschlossen, um gegen den Abbau von Lignit - minderwertige Braunkohle - mobil zu machen. Befürchtet wird nicht nur die Errichtung eines Bergwerks. Die Betreiberfirma hat ihren Sitz in Nógrádszén, und dort steht Ungarns bisher einziges, zur deutschen RWE gehörende Braunkohlekraftwerk. Das erzeugt immerhin 13 Prozent des ungarischen Strombedarfs. Bei einer Importquote von 70 Prozent wäre es also nahe liegend, auch hier ein Kraftwerk zu errichten.

"Die Menschen sind massiv gegen diese Pläne", erklärt VP-Mandatar Adalbert Resetar, Bürgermeister von Schachendorf. Gemeinsam mit seinem Kollegen aus Narda, Sándor Horvath, vertritt er die Allianz der Gemeinden. Auch deshalb, weil beide einander problemlos verstehen: Sie sprechen Burgenlandkroatisch. (wei/DER STANDARD, Printausgabe, 30./31.8.2003)

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