Gen-Streit: USA lassen nicht locker

29. August 2003, 18:06
12 Postings

Einrichtung einer Streitfall-Kommission bei WTO durchgesetzt - Gegner ist die EU

Hamburg/Wien - Am Freitag haben Vertreter der US-Regierung bei der Welthandelsorganisation WTO die Einrichtung einer Streitfall-Kommission durchgesetzt. Streitpunkt ist das seit 1999 bestehende vorläufige Verbot der Zulassung von genetisch veränderten Pflanzen. Die USA drohen bereits seit Mai mit der Einrichtung einer solchen Kommission, berichtet Greenpeace Österreich.

Die Umweltorganisation sieht in dem Vorstoß der Amerikaner einen weiteren Versuch den Widerstand der europäischen Verbraucher gegen Gentechnik in Lebensmitteln brechen zu wollen. Bisher konnte die EU die Einberufung eines Streitfall-Panels noch abwenden. "Mit der Klage vor der WTO ignoriert US-Präsident George Bush nicht nur die Interessen der Verbraucher, sondern auch internationales Umweltrecht", so Ulrike Brendel, Gentechnik- Expertin bei Greenpeace. Nach einem UN-Abkommen zur biologischen Sicherheit, dem so genannten Biosafety-Protokoll, haben Länder ausdrücklich das Recht, genmanipulierte Organismen aus Gründen der Vorsorge abzulehnen. Das Protokoll wurde von über 100 Staaten, nicht jedoch von den USA, unterzeichnet. Greenpeace fordert unter anderem, dass beim kommenden Ministertreffen im mexikanischen Cancun, das vom 10. bis 14. September stattfindet, die WTO solche internationale Umweltabkommen anerkennt. "Das Biosafety-Protokoll darf nicht durch die WTO-Klage ausgehebelt werden", so Brendel.

In der EU werden derzeit nur in Spanien genetisch-veränderte Pflanzen angebaut: Seit 1998 wird der genmanipulierte Mais Bt-176 des Schweizer Konzerns Syngenta angebaut. Greenpeace kritisiert in diesem Zusammenhang bereits eine Verunreinigung von spanischem Öko-Mais. Die betroffenen Landwirte haben daraufhin ihre Öko-Zertifizierung verloren. Auch in Deutschland wurden im vergangenen Jahr drei illegale Äcker mit Bt-176 entdeckt. (pte)

Share if you care.