"Höchste Eisenbahn" für Allianz der Jugend

31. August 2003, 11:17
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Junge VP und Gewerkschaftsjugend machen Vorstoß zu parteiübergreifender Zusammenarbeit der Jungen

Wien - Die Junge ÖVP grenzt sich in der Pensionsfrage weiter von der offiziellen Linie der Volkspartei ab. Bei einer Pressekonferenz Freitag Vormittag forderte JVP-Obfrau Silvia Fuhrmann, dass die anstehende Harmonisierung der Systeme nicht nur für die Unter-35-Jährigen sondern für alle gelten soll. Zudem verlangt sie von Pensionisten mit Bezügen über der ASVG-Höchstbeitragsgrundlage einen zehnprozentigen Solidarbeitrag. Beim Frauenpensionsalter will die Chefin der Jungen Volkspartei diskutieren, dieses schon in Bälde jenem der Männer anzugleichen.

"Höchste Eisenbahn"

Um ihre Wünsche umsetzen zu können, ist für die Obfrau der Jungen ÖVP die Bildung einer parteiübergreifenden Allianz "höchste Eisenbahn". Wenn sich die Sozialistische Jugend wie in der Pensionsfrage von den Bedürfnissen ihrer Klientel absetze, dann könne die ältere Generation die Jungen "leicht abschasseln".

ÖGJ zu Jugendallianz "gerne bereit"

Die Gewerkschaftsjugend wäre "gerne bereit", sich einer parteiübergreifenden Allianz für die Jugend anzuschließen, wie sie heute die Chefin der Jungen ÖVP, Silvia Fuhrmann gefordert hat. Voraussetzung sei jedoch, dass es hier um ernsthafte Gespräche gehe, erklärte ÖGJ-Vorsitzender Jürgen Eder in einer Aussendung. Über den Generationenvertrag und günstigere Eintrittskarten hinaus müssten auch über Problematiken wie die Jugendarbeitslosigkeit diskutiert werden".

Auch wenn die Gewerkschaftsjugend mit der Jungen ÖVP nicht in allen heute von der JVP vorgetragenen Punkten gleicher Meinung sei, dürfe dies kein Hindernis für ernsthafte Diskussionen sein, um vielleicht gemeinsame Lösungen zu finden. Fuhrmann müsse bei dem Ruf nach einer parteiübergreifenden Allianz jedoch auch bewusst sein, dass hier im Sinne der Jugend diskutiert werden müsse und nicht im Sinne der Volkspartei: "Denn auch die Pensionsreform, der Fuhrmann als Abgeordnete zugestimmt hat, trifft vor allem die Jungen", so Eder.

Weitere Wünsche der JVP

Auch in anderen Politikfeldern machte die Junge ÖVP Vorschläge. So wünscht sich Fuhrmann etwa auch, dass beim Kindergeld die Zuverdienstgrenzen wegfallen. Im Sinne der Jugend wäre für sie auch der Entfall von Erbschafts- und Schenkungssteuer. Weiter besteht zudem der Wunsch der Jungen Volkspartei nach einer Abflachung der Lebensverdienstkurve sowie nach einer Jugendverträglichkeitsprüfung für alle Gesetze.

Jugendtarif bei Öffis gefordert

Ausgleich zwischen Jugend und Pensionisten will Fuhrmann auch, was die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel geht bzw. den Besuch von Museen. Hier sollen für Senioren und Jugendliche bis 27 - sofern diese noch in Ausbildung stehen - die gleichen Tarife gelten. Derzeit sei es etwa in Wien so, dass die Jahreskarte im öffentlichen Verkehr für Pensionisten 204 Euro koste, für Jugendliche aber 409 Euro. Bei einem Besuch im Museumsquartier müssten Ältere nur sieben Euro löhnen, Jüngere aber neun, beklagte Fuhrmann.

Entgegenkommen von älterer Generation erwartet

Aber nicht nur untereinander sollten sich die Jugendlichen unterstützen. Auch von der älteren Generation erwartet sich Fuhrmann offenbar Entgegenkommen. Denn die JVP-Obfrau tritt dafür ein, dass mehr junge Menschen in der Politik in wichtige Positionen kommen. Derzeit sei es ja so, dass das Durchschnittsalter der Bevölkerung bei 39 Jahren liege, jenes der Parlamentarier aber bei 47. "Ganz ganz schrecklich" sehe es im Europäischen Parlament aus, wo der Durchschnitts-Abgeordnete 55 Jahre alt ist. Auch deshalb verlangt Fuhrmann, dass nach der Wahl im kommenden Jahr bei ihrer Partei zumindest ein Jugend-Vertreter in der EU-Delegation repräsentiert ist.

"Man soll jungen Menschen keine Vorschriften machen

Nur noch indirekt ging die JVP-Chefin auf den Streit der letzten Woche mit Partei-Vize Elisabeth Gehrer über den Lebensstil der Jugend ein. Man solle der Jugend keine Vorschriften machen, wie sie zu leben habe: "Ich mische mich auch nicht ein, was ältere Menschen in Altersheimen oder wo auch immer machen". Toleranz solle es geben auch in Bezug auf Lebensstile und Familienformen. Dabei möchte sich Fuhrmann auch dafür einsetzen, dass für Homosexuelle etwas im Erbschafts- und Besuchsrecht getan werde. Hier gebe es noch Aufholbedarf.(APA)

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