Dänemark: Rasmussen verurteilt Zusammenarbeit mit Nazi-Besatzern

31. August 2003, 12:29
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"Naiv und verwerflich" - Regierung versprach Deutschland 1940 Unterstützung der Kriegsversorgung und durfte im Amt bleiben

Kopenhagen - Der dänische Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen hat am Freitag die offizielle Zusammenarbeit dänischer Regierungen mit den deutschen Nazi-Besatzern 1940 bis 1943 verurteilt. Zum 60. Jahrestag eines Volksaufstandes gegen die "Zusammenarbeits-Politik" am 29. August 1943 schrieb Rasmussen in einem Beitrag für die Zeitung "Politiken", diese von allen großen Parteien mitgetragene Politik sei "naiv und verwerflich" gewesen.

Dänemarks Regierung hatte beim Einmarsch deutscher Truppen 1940 die sofortige Übergabe des Landes ohne militärischen Widerstand angeordnet und Hitler erfolgreich eine Zusammenarbeit mit der Lieferung dänischer Agrarprodukte für die deutsche Kriegsversorgung angeboten. Als Gegenleistung konnte die Kopenhagener Regierung im Amt bleiben, eine weitgehende Selbstverwaltung aufrechterhalten und Dänemark aus dem Krieg militärisch heraushalten.

Rasmussen, dessen eigene Partei "Venstre" diese Linie ebenso mittrug wie die Sozialdemokraten und alle anderen Parteien mit Ausnahme der Kommunisten, distanzierte sich als erster dänischer Regierungschef seit Kriegsende ohne Einschränkungen von der "Zusammenarbeits-Politik". Die dänische Beteiligung am Irak-Krieg begründete Rasmussen Anfang des Jahres auch damit, dass er Schluss machen wolle mit der traditionell in Dänemark verfolgten Linie, sich aus großen Konflikten möglichst herauszuhalten. (APA/dpa)

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    Anders Fogh Rasmussen

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