Unterschiede der passiven Sterbehilfe

31. August 2003, 19:23
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Israelische Studie: Entscheidung hängt unter anderem von der jeweiligen Region sowie von Kultur und Religion der Ärzte ab

London - Passive Sterbehilfe wird auf Intensivstationen in Nordeuropa häufiger angewandt als in Südeuropa. Die Entscheidung darüber, wann bei unheilbar kranken Menschen auf lebenserhaltende Maßnahmen verzichtet wird, hängt laut einer israelischen Studie unter anderem von Diagnose und Alter der Patienten ab, aber auch von der jeweiligen Region sowie von Kultur und Religion der Ärzte.

Demnach ist der Verzicht auf weitere Behandlung zwar in allen Ländern gebräuchlich, variiert jedoch in der Praxis stark. Protestantische, katholische oder religionslose Ärzte neigen eher dazu, lebenserhaltende Maßnahmen auszusetzen, wogegen moslemische, jüdische und griechisch-orthodoxe Mediziner damit zurückhaltender sind.

Daten

Die Forscher werteten laut einem Bericht des Fachblatts "British Medical Journal" Daten von 37 Intensivstationen in 16 europäischen Ländern und Israel über eine Zeitraum von 18 Monaten aus. Von den insgesamt 31.417 Patienten starben 13,5 Prozent. Bei drei Viertel davon wurde auf lebenserhaltende Maßnahmen verzichtet.

In zwei Prozent dieser Todesfälle wurde der Sterbeprozess durch Medikamente wie Opiate oder Benzodiazepine beschleunigt, solche Entscheidungen wurden jedoch nur in sieben Ländern getroffen. Der Jerusalemer Studienleiter Charles Sprung sagte, in den siebziger Jahren habe man versucht, jeden Patienten am Leben zu erhalten. Inzwischen berücksichtigten die Ärzte aber auch die Wünsche der Patienten und ihrer Angehörigen. (APA/AP)

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