Russischer Medien-Mogul aus griechischer Haft entlassen

31. August 2003, 12:29
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Gussinski wird Geldwäsche und Unterschlagung von staatlichen Krediten vorgeworfen - Griechenland wartet auf russischen Auslieferungsantrag

Athen - Der von Interpol auf Grund eines russischen Haftbefehls gesuchte ehemalige russische Medien-Mogul Wladimir Gussinski ist am Freitag in Griechenland aus der Haft entlassen worden. Der zu den reichsten Russen zählende Geschäftsmann musste eine Kaution in Höhe von 100.000 Euro bezahlen und darf das Land vorerst nicht verlassen. Wie der griechische staatliche Rundfunk weiter berichtete, haben die russischen Behörden bis zum 1. Oktober Zeit, den angekündigten Auslieferungsantrag nach Athen zu schicken.

Gussinski war am vergangenen Samstag unmittelbar nach seiner Ankunft aus Tel Aviv auf dem Flughafen in Athen festgenommen worden. In Russland wird Gussinski die Unterschlagung von mehreren hundert Millionen Euro aus staatlichen Krediten vorgeworfen. Den Antrag auf Entlassung Gussinskis hatten seine Rechtsanwälte gestellt. Sie halten den russischen Haftbefehl für "politisch motiviert". Gussinski zählte in Russland zu den Kritikern von Präsident Wladimir Putin. Das Medienimperium des Oligarchen wurde im Mai 2001 wegen Überschuldung zerschlagen.

Gussinski sieht sich als Opfer politischer Verfolgung

Bei einer Anhörung in der kommenden Woche soll geklärt werden, ob Gussinski wegen des gegen ihn vorliegenden internationalen Haftbefehls nach Russland ausgeliefert werden soll. Gussinski, dem Betrug und Geldwäsche vorgeworfen werden, hatte Russland vor drei Jahren verlassen. Er war seit einer Woche in Athen in Haft.

Die russische Justiz legt Gussinski zur Last, ein Millionendarlehen des Erdgasmonopolisten Gazprom für seinen Medienkonzern Media-Most falsch verbucht zu haben. Später kam der Vorwurf der Geldwäsche hinzu. Gussinski, dem einst der Sender NTW gehörte und der neben der russischen auch die israelische Staatsbürgerschaft besitzt, sieht sich als Opfer politischer Verfolgung wegen regierungskritischer Berichterstattung. (APA/dpa)

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