AK und Grüne für generelles Recht auf Teilzeit

29. August 2003, 17:47
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AK fordert pensionsrechtlichen Ausgleich - Grüne schlagen Fonds für Kleinbetriebe vor

Wien - Das Recht auf Teilzeitarbeit für alle ArbeitnehmerInnen mit Kindern, unabhängig von der Betriebsgröße, hat am Freitag die Wiener Arbeiterkammer gefordert. Ingrid Moritz, Leiterin der Frauen-Abteilung kritisiert, dass im Regierungsübereinkommen eine Einschränkung auf ArbeitnehmerInnen in Betrieben ab 20 Beschäftigte und mit mindestens 3-jähriger Betriebszugehörigkeit vorgesehen sei, "damit würden fast zwei Drittel der Frauen (64 Prozent) und mehr als die Hälfte der Männer (56) von dieser Möglichkeit ausgenommen." Die Grünen schlagen einen Fonds vor, in den Betriebe einzahlen und bei Ausfall eines Arbeitnehmers wegen Kinderbetreuung Geld refundiert erhalten.

Auch in Kleinbetrieben sollen Eltern die Möglichkeit haben, ihre Arbeitszeitwünsche durchzusetzen, meint Moritz. Die Frage, ob Teilzeitarbeit einem Betrieb zumutbar ist, hänge nicht von der Betriebsgröße, sondern von der spezifischen Tätigkeit ab und müsse im Einzelfall beurteilt werden. Würde das Recht auf Teilzeit auf Betriebe mit über 50 Beschäftigte eingeschränkt, wie die Wirtschaftskammer fordert, hätten noch weniger ArbeitnehmerInnen Anspruch auf dieses Recht.

Drei Forderungen

Für ein entsprechendes Gesetz hat die AK drei Forderungen: Einen pensionsrechtlichen Ausgleich bei Teilzeitarbeit wegen Betreuungspflichten; ein gesetzliches Kündigungsverbot für Personen, die gegenüber ihrem Arbeitgeber den Wunsch äußern, die Arbeitszeit zu reduzieren, und ein Rückkehrrecht von Teilzeit auf Vollzeit.

Grüne vermuten Fallen im Modell der Regierung

Die Wirtschaftssprecherin der Grünen, Michaela Sburny, wies darauf hin, dass ein Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit für Kinder bis 6 Jahre zwar sehr zu begrüßen wäre, "allerdings hat die Regierung keineswegs vor, einen Rechtsanspruch zu sichern, sondern lediglich einen Anspruch auf Teilzeitarbeit und den auch nur ab einer bestimmten Betriebsgröße und wenn es die wirtschaftliche Situation des Betriebes zulässt. Somit eben kein Recht, sondern abhängig vom guten Willen der ArbeitgeberInnen". Kleine Betriebe werden somit für qualifizierte ArbeitnehmerInnen unattraktiver.

Grüner Vorschlag

"Da 80 Prozent aller Betriebe in Österreich weniger als 20 MitarbeiterInnen haben, wäre es dringend notwendig neue Modelle für kleine Betriebe zu überlegen, um es auch ihnen zu ermöglichen, attraktive Arbeitsbedingen anzubieten", so Sburny weiter. "Aber die Regierung ist diesbezüglich völlig ideenlos". Die Wirtschaftssprecherin der Grünen denkt zum Beispiel an die Errichtung eines Fonds, "in den alle Betriebe je nach Größe einzahlen und aus dem Ausfälle wegen Teilzeitarbeit von MitarbeiterInnen, aus Gründen der Kinderbetreuung, zumindest teilweise refinanziert werden. Auch die Wirtschaftskammer ist aufgerufen, sich etwas kreativer an der Lösung solcher Problemstellungen zu beteiligen. Von derartigen Modellen könnten nämlich sowohl ArbeitnehmerInnen, als auch die vielen Klein- und Mittelbetriebe in Österreich profitieren", so Sburny abschließend.(APA)

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