Gentherapie nach Herzinfarkt

29. August 2003, 12:28
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Verbesserte Pumpfunktion im Tierversuch nach Einbringung eines Gens in das geschädigte Herzmuskelgewebe

Wien - Ein Gutteil der Gentherapie-Versuche auf dem Gebiet der Herzkrankheiten zielt derzeit darauf ab, dem nach einem Infarkt geschädigten "Pumporgan" mit bestimmten Knochenmark-Stammzellen "Reparaturmaterial" zuzuführen. Doch Wiener Wissenschafter stellen beim Kardiologenkongress in Wien eine neue Methode vor: Die Blockade des entzündungsfördernden NF-kappa-B-Gens.

Dr. Karola Trescher vom Ludwig Boltzmann Institut für Herzchirurgische Forschung in Wien (AKH) und die Co-Autoren der Studie: "Eines der großen Probleme in der Behandlung von Infarktpatienten stellen die Umbauvorgänge im Herzmuskel dar, die durch das infarktbedingte Absterben kontraktionsfähiger Muskelmasse entstehen. Eine bedeutende Rolle bei diesen mit einer Entzündungsreaktion einhergehenden Umbauvorgängen kommt dem entzündungsfördernden Transkriptionsfaktor NF-kappa-B zu." Transkriptionsfaktoren bestimmen in den Zellen, welche Gene an- oder abgeschaltet werden. NF-kappa-B treibt Zellen in den Selbstmord ("Apoptose").

Gegenspieler des Entzündungs-Gen eingebracht

Die Wissenschafter führten bei erwachsenen männlichen Ratten künstlich einen Herzinfarkt herbei. Unmittelbar daran wurde mit einem veränderten Virus in das geschädigte Herzmuskelgewebe das so genannte IkB-Gen eingebracht, das ein Gegenspieler zu dem Entzündungs-Gen ist. Eine zweite Gruppe von Versuchstieren erhielt hingegen ein unwirksames Gen.

Die Fachleute über ihre Ergebnisse: "In der behandelten Gruppe konnte der Umbau des Herzmuskels vermindert werden (...)." An den den Tieren entnommenen Herzen konnte schließlich gezeigt werden, dass die Gentherapie zu einer verbesserten Pumpfunktion des artifiziell herbeigeführten Infarktorgans führte.

"Die Ergebnisse dieser tierexperimentellen Studie zeigen, dass es durch eine auch in der Klinik durchführbare gentherapeutische Intervention möglich ist, die Funktion des Herzens nach einem Infarkt langfristig zu verbessern", fassen die Experten ihre Resultate zusammen. Man sollte die Methode auch an Patienten erproben. (APA)

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