Neues Diagnoseverfahren bei chronischer Herzschwäche

29. August 2003, 12:23
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Das Blut wird auf die Konzentration des Herzhormons BNP untersucht

Wien/Innsbruck - Ein neues Diagnoseverfahren dürfte die Vorhersage und die Entdeckung vor allem der chronischen Herzschwäche revolutionieren: Die Untersuchung von Blutproben auf die Konzentration des Herzhormons BNP (natriuretische Peptide). Diese Substanzen werden im Herzen gebildet und stellen wichtige Botenstoffe für den Wasserhaushalt des Körpers dar. Erhöhte BNP-Werte sind somit eine Gegenregulation für eine Herzschwäche. Sie führen zu einer vermehrten Wasserausscheidung und entlasten damit das Organ. Mehrere österreichische Wissenschaftergruppen stellen beim Kardiologenkongress dazu Forschungsergebnisse vor.

Eine Expertengruppe vom Institut für Medizinische Chemie und Biochemie der Universität Innsbruck forschte gemeinsam mit anderen Tiroler Fachleuten, ob die Messung des Herzhormons BNP zur Bestimmung der Herzschwäche geeignet ist. 57 Patienten mit Verdacht auf eine solche Herzinsuffizienz wurden untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass die BNP-Werte sehr gut mit dem Zustand der Patienten korrelierten: "Wir konnten in dieser Studie zeigen, dass es erstmals durch Bestimmung von Laborparametern im Blut möglich ist, eine Herzfunktionsstörung mit ausreichender Genauigkeit vorherzusagen."

Faktor Fettsucht

Ein wesentlicher Faktor für das Entstehen von Herzkrankheiten und speziell der chronischen Herzschwäche ist die Fettsucht. Laut einer Studie von Univ.-Doz. Dr. Johann Pollak und anderen Spezialisten von der 3. Medizinischen Abteilung am Krankenhaus Lainz kann man eine Reduktion überhöhter BNP-Werte bei schwerst Übergewichtigen durch eine Verringerung des Körpergewichts erzielen. Das deute darauf hin, dass auch der Zustand des Herzens mit der Gewichtsabnahme besser wird.

Die Fachleute hatten 50 Frauen mit einem durchschnittlichen Körpergewicht von 124 Kilogramm vor einer Magenoperation zur Erleichterung der Gewichtsabnahme und ein Jahr danach untersucht. Durch den chirurgischen Eingriff nahmen sie innerhalb von zwölf Monaten durchschnittlich 13,6 Kilogramm ab. Hatten vor der Operation noch 53 Prozent der Frauen BNP-Werte, die eindeutig auf eine Herzschwäche hindeuteten, waren es nach einem Jahr nur noch sechs Prozent. Die Experten: "Der Abfall von BNP unterstreicht den hohen gesundheitlichen Stellenwert einer Gewichtsreduktion."

Weitere Eignung der Blutuntersuchung

Laut Dr. Jutta Bergler-Klein von der Abteilung für Kardiologie an der Wiener Universitätsklinik eignet sich die Blutuntersuchung auf das Herzhormon auch für die Prognose des Verlaufes von Verengungen der Körperschlagader (Aortenstenose). Bei schweren Symptomen wird nämlich dann ein Ersatz der Aortenklappe notwendig. Weil die Operation aber speziell bei älteren Menschen mit einem hohen Risiko verbunden ist, suchen die Wissenschafter nach Möglichkeiten, jene Patienten herauszufinden, die besonders gefährdet sind. Das Ergebnis der Untersuchung: Bei jenen Kranken, die höhere Werte an dem Herzhormon aufweisen, ist eine frühere Operation angesagt.

Das natriuretische Peptid eignet sich schließlich auch als Prognosefaktor für Patietnen mit angeborenen Herzfehlern und nachfolgendem Lungehochdruck als Konsequenz der Überlastung der rechten Herzkammer. Gemäß einer Forschungsarbeit von Univ.-Prof. Dr. Harald Gabriel (Universitätsklinik für Innere Medizin II am Wiener AKH) haben Patienten mit einem niedrigen BNP-Wert über Jahre hinweg eine 94-prozentige Chance auf ein Leben ohne Komplikationen. Bei Betroffenen mit hohen BNP-Konzentrationen im Blut ist mit einem Überleben ohne Komplikationen schon im ersten Jahr nur bei knapp 60 Prozent zu erwarten. (APA)

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