USA fordern Libanon zu Kooperation mit irakischem "Regierungsrat" auf

31. August 2003, 10:24
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Washington setzt Beirut und Präsidentschaft der Arabischen Liga unter Druck

Beirut - Die USA verlangen von der libanesischen Regierung, dass sie die "Kräfte der Stabilisierung" im Irak unterstützt und mit dem provisorischen "Regierungsrat" kooperiert. Washington habe Beirut aufgefordert, die Repräsentanten des Rates zu empfangen, erklärte US-Botschafter Vincent Battle am Donnerstag in der libanesischen Hauptstadt. Wenn für den Libanon ein "militärischer Beitrag" unmöglich sei, "dann erwarten wir von ihm zumindest Erklärungen, in denen er die internationalen Bemühungen um Stabilisierung unterstützt", sagte der amerikanische Diplomat.

In diplomatischen Kreisen in Beirut hieß es, die US-Forderung richte sich offenbar in erster Linie an Syrien, die Schutzmacht des Libanon. Die USA wollten erreichen, dass ein Vertreter des irakischen "Regierungsrates" an einem Treffen der Arabischen Liga am 9. September in Kairo zugelassen werde.

Die Arabische Liga hat den von den USA eingesetzten "Regierungsrat" bisher nicht als legitime Vertretung des Landes anerkannt. Der irakische Sitz in der panarabischen Staatenorganisation, zu deren Gründungsmitgliedern der Irak gehört, ist daher vakant. Das Ersuchen der US-Regierung um Entsendung arabischer Truppen in den Irak war von den Außenministern der Liga Anfang August von der Tagesordnung ihrer Sondersitzung in Kairo gestrichen worden.

Der libanesische Staatspräsident Emile Lahoud ist derzeit amtierender Vorsitzende der Arabischen Liga. Er hatte den USA vorgeworfen, sich mit dem Angriff auf den Irak ohne UNO-Mandat einer Aggression schuldig gemacht zu haben. Wegen der Forderung Washingtons, gegen die von den USA als terroristisch eingestufte Schiiten-Organisation Hisbollah vorzugehen, sind die amerikanisch-libanesischen Beziehungen gestört. Die libanesische Regierung hat die Terrorismus-Vorwürfe von US-Präsident George W. Bush gegen die Hisbollah immer wieder zurückgewiesen. Beirut hatte auch die Forderung der USA nach einem Einfrieren von Hisbollah-Konten abgelehnt. Derzeit vermittelt der deutsche Geheimdienst-Koordinator Ernst Uhrlau bei geheimen Verhandlungen über einen Austausch israelischer Geiseln der Hisbollah gegen libanesische Gefangene in Israel. (APA)

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