"Recht und nicht Almosen"

31. August 2003, 19:28
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Vor zehn Jahren wurde Isabella M. zusammengeschlagen und erlitt dabei Dauerschäden an der Halswirbelsäule - Bis heute kämpft sie um Entschädigung

Vor zehn Jahren wurde Isabella M. zusammengeschlagen und erlitt dabei Dauerschäden an der Halswirbelsäule. Obwohl ein Gerichtsurteil bestätigt, dass die Schläge sie zur Invalidin gemacht haben, kämpft die Frau bis heute um Entschädigung.

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Seit dem 17. September 1993 ist in Isabella M.s Leben nichts mehr wie vorher. Damals wurde die heute 49-jährige Klagenfurterin nach einem Lokalbesuch in Krumpendorf zusammengeschlagen - ohne erkennbaren Anlass. Der mittlerweile verstorbene Täter - er galt als notorischer Schläger - und seine betrunkenen Begleiter sind ehrenwerte Mitglieder der damaligen roten und blauen politischen Elite Kärntens.

Das Opfer erleidet schwerste Verletzungen an Kopf, Halswirbelsäule und Rücken. Wird mit einem "Schlag" zur 80-prozentigen Invalidin. Muss sich einer lebensgefährlichen Operation unterziehen, in der die kaputten Halswirbel stabilisiert werden.

Isabella M. ist seither nur noch eingeschränkt bewegungsfähig, Finger und linker Oberarm sind infolge der Schädigung der Nervenwurzeln taub. Die gut verdienende Versicherungskauffrau muss ihren Beruf aufgeben und lebt von einer Invaliditätsrente, die kaum zum Leben reicht.

Seit Jahren kämpft sie nun verzweifelt um Entschädigung - für Verdienstentgang, Verfahrensausgaben. Zunächst auf dem Zivilgerichtsweg (aus dem Nachlass ihres hochverschuldeten Peinigers ist nicht mehr viel zu holen und das wenige geht für Anwaltskosten drauf), dann über den Verbrechensopferfonds. Doch von dort hat sie bis heute keinen Cent erhalten.

Monsterprozess

Und das obwohl die Klagenfurterin nach einem jahrelangen Monsterprozess per Gerichtsurteil beweisen kann, dass die quälenden Schmerzen in der Halswirbelsäule eindeutig vom damaligen Gewaltakt herrühren, also eine Dauerschädigung vorliegt.

Dem Urteil war ein Jahre währender Justizstreit vorangegangen, in dem Beweisstücke verschwanden, falsche Gutachten auftauchten, Gutachter sich als befangen herausstellten. "Man hat immer wieder versucht, meine Probleme als simple, altersbedingte Abnützungserscheinungen darzustellen. Ich hab' auf eigene Kosten beweisen müssen, dass mein Martyrium die Folge der brutalen Schläge ist", klagt M.

Neue Gutachten

Vom Verbrechensopferfonds wird ihr versichert, sobald das Gerichtsurteil da ist, werde sie die ihr zustehende Entschädigung erhalten. Doch der Fonds nimmt das Urteil nicht zur Kenntnis, sondern fordert wieder neue Gutachten. Mittlerweile hat Frau M. zu Jahresbeginn alle Neuuntersuchungen absolviert und ein neues Privatgutachten vom renommierten Wiener Neurologen Franz Gerstenbrand erstellen lassen. Dieses bestätigt die Dauerschäden.

M. kontaktiert die Präsidentschaftskanzlei, Volksanwalt Peter Kostelka, die Minister Dieter Böhmdorfer, Karl-Heinz Grasser und Herbert Haupt. Aus dem Büro des Sozialministers kommt im Juni 2003 die Antwort: "Bezugnehmend auf Ihre finanzielle Situation darf ich Ihnen empfehlen, das Sozialamt Klagenfurt zu kontaktieren und um Gewährung einer einmaligen Hilfe in besonderen Lebenslagen aus Mitteln der Sozialhilfe zu ersuchen." Im gleichen Schreiben wird M. auch mitgeteilt, dass es weiterer "Ergänzungsgutachten" bedarf. "Ich will Recht und nicht Almosen", sagt Isabella M., "offenbar will man mich so lange vertrösten, bis ich aufgebe."

Kurt Wegscheidler aus dem Haupt-Büro bedauert: "Die kausale Dauerschädigung ist gerichtlich nur bis zum Jahre 1995 erwiesen." Frau M. habe aber erst 1996 einen Entschädigungsantrag beim Verbrechensopferfonds eingebracht. (Elisabeth Steiner/DER STANDARD; Printausgabe, 29.8.2003)

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