Explosion: Beamte arbeiteten fehlerfrei

31. August 2003, 19:28
1 Posting

Fliegerbombenunfall: Bericht fertig - "Menschliches Versagen ist nach unseren Ermittlungen ausgeschlossen"

"An der Bombe ist weder manipuliert noch hantiert worden. Menschliches Versagen ist nach unseren Ermittlungen ausgeschlossen", fasste Hauptmann Gerhard Lang vom Bundeskriminalamt am Donnerstag den Endbericht zur Explosion der Fliegerbombe auf dem Bahnhof Salzburg zusammen. Bei der Detonation der 250-Kilo-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg am 17. Juli kamen zwei Beamte des Entminungsdienstes ums Leben, einer wurde schwerst verletzt und leidet noch an Erinnerungslücken.

"Die Kollegen haben nichts falsch gemacht", betonte Lang. Damit sich die Bombe, an der ein labiler Zeitzünder angebracht war, nicht bewegen konnte, wurde sie mit einer Kette an einem Bagger fixiert. Berichte, dass von einer geänderten Stellung der Baggerschaufel nach der Explosion darauf rückzuschließen sei, dass an der Bombe bereits vor der Entschärfung hantiert worden sei, hätten sich nicht bestätigt.

Weiterer Blindgänger

Mit Problemen bei der Sondierung eines weiteren Blindgängers nur zehn bis 20 Meter von der Explosionsstelle auf dem Gelände der Speditionsfirma Schenker in Schallmoos entfernt kämpfen derzeit die ÖBB. Mitarbeiter der Sprengstofffirma Koch haben zwei Wochen lang nach dem Kriegsrelikt gesucht und bisher nichts gefunden.

Mittlerweile hat sich ein "ernst zu nehmender" Zeitzeuge gemeldet, der vor rund 40 Jahren nahe dem Verdachtspunkt als Bauarbeiter beobachtet haben will, wie eine 250-Kilo-Bombe vom Entminungsdienst geborgen wurde. "Falls diese Stelle mit unserem Verdachtspunkt übereinstimmt, dann wurde der Blindgänger bereits gefunden", sagte ÖBB-Sprecher Johannes Gfrerer.

Bürgermeister verhandelt mit Strasser

Insgesamt ließen die ÖBB auf dem Gelände der Firma Schenker nach drei Blindgängern suchen. Einer wurde im März dieses Jahres erfolgreich entschärft, der Zweite explodierte. Für die ÖBB sind Kosten von 200.000 € entstanden. Man wartet dort gespannt den Ausgang eines Streits der Stadt Salzburg mit dem Bund: Salzburg forderte für die Sondierung, Bergung und den Abtransport von Fliegerbomben einen Kostenersatz von 856.854 Euro.

Einen gerichtlichen Vergleich, bei dem die Stadt die Hälfte des Streitwertes erhalten sollte, lehnte das Innenministerium ab. Jetzt versucht Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden (SP) in Verhandlungen mit Innenminister Ernst Strasser 400.000 Euro doch noch zu bekommen. (APA/DER STANDARD; Printausgabe, 29.8.2003)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Bei der Detonation der 250-Kilo-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg am 17. Juli kamen zwei Beamte des Entminungsdienstes ums Leben.

Share if you care.