Kaprun: Frist für Angehörige läuft ab

29. August 2003, 20:22
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Im November jährt sich das Brandunglück von Kaprun zum dritten Mal. Ab diesem Zeitpunkt sind alle nicht angemeldeten Schadensersatz-Ansprüche der Angehörigen verjährt

Im November jährt sich das Brandunglück von Kaprun zum dritten Mal. Ab diesem Zeitpunkt sind alle nicht angemeldeten Schadens- ersatzansprüche der Angehörigen verjährt. Bisher wurden von der Versicherung rund 4,5 Millionen Euro ausbezahlt.
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Wenn sich die Brandkatastrophe im Stollen der Standseilbahn auf das Kitzsteinhorn am 11. November zum dritten Mal jährt, soll an der Talstation der Unglücksbahn der Grundstein für ein Denkmal errichtet werden, das an die 155 Toten erinnert. Für die Angehörigen der Opfer hat dieses Datum neben der seelischen Belastung auch eine rechtliche Bedeutung: In einem Schreiben an alle Angehörigen und deren Rechtsanwälte weist die Generali-Versicherung darauf hin, dass nach österreichischem Recht "die Frist zur Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen" drei Jahre nach dem Unglücksdatum ausläuft.

Die Angehörigen werden daher explizit aufgefordert, alle bisher noch nicht angemeldeten Ansprüche bekannt zu geben, um ihre "materiellen Ansprüche" zu wahren. In dem Schreiben betont die Versicherung ferner, alle Ansprüche im Rahmen des Eisenbahnkraftfahrzeug-Haftpflichtgesetzes (EKHG) "korrekt abwickeln" zu wollen. Ein rechtlich möglicher - und von einigen Anwälten auch vorgeschlagener - Verjährungsverzicht wird allerdings nicht angeboten.

Drei amerikanische Familien stellten keine Ansprüche

Dafür bestehe auch "kein Bedarf", da alle gerechtfertigten Ansprüche ohnehin abgewickelt würden, argumentiert der Pressesprecher der Gletscherbahnen Kaprun, Harald Schiffl, auf STANDARD-Anfrage. Drei amerikanische Familien und weitere zehn Angehörige eines Kaprun-Opfers hätten keine Schadensersatzansprüche gestellt. Die Amerikaner hofften möglicherweise auf Schadensersatzprozesse in den USA, spekuliert Schiffl. Die anderen zehn "warten offenbar den Ausgang des Strafprozesses am Landesgericht Salzburg ab".

Da ein Urteil allerdings sicher nicht vor dem dritten Jahrestag der Brandkatastrophe gefällt wird, drohen die Ansprüche zu verfallen. Die Haftung nach dem EKHG ist übrigens verschuldensunabhängig gegeben und daher nicht an den Ausgang des Verfahrens gebunden.

Bisher habe die Generali im Rahmen der Schadensabwicklung rund 4,5 Millionen Euro ausbezahlt, so Schiffl. Zusätzlich sei erstmals unabhängig vom Ausgang des Strafprozesses und allfälliger Zivilverfahren an die nahen Verwandten der Toten Schmerzensgeld für die entstandenen psychischen Leiden in der Höhe von 7267 Euro ausbezahlt worden. (Thomas Neuhold, DER STANDARD; Printausgabe, 29.8.2003)

Im November jährt sich das Brandunglück von Kaprun zum dritten Mal. Ab diesem Zeitpunkt sind alle nicht angemeldeten Schadens- ersatzansprüche der Angehörigen verjährt. Bisher wurden von der Versicherung rund 4,5 Millionen Euro ausbezahlt.
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