Israelische Truppen dringen erneut in Gaza-Streifen ein

31. August 2003, 12:36
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Hamas-Führer bei Luftangriff getötet - Terrororganisation kündigt baldige Rache an - Israeli bei Anschlag getötet

Gaza/Ramallah/Jerusalem - Ungeachteter internationaler Appelle zur Zurückhaltung hat Israel seine gezielten Angriffe zur "Liquidierung" palästinensischer Extremisten fortgesetzt. Unter israelischem Raketenbeschuss kam am Donnerstagabend im Gaza-Streifen ein Mitglied der militanten Hamas-Bewegung ums Leben, vier weitere Personen wurden bei dem Hubschrauberangriff in Khan Yunis verletzt. Ein tödlicher Angriff auf einen Israeli, ein Schusswechsel im Westjordanland und eine neue Militäraktion im Gaza-Streifen verschärften die Spannungen am Freitag weiter.

Israelische Truppen sind erneut in den nördlichen Gaza-Streifen eingedrungen. Ein Armeesprecher teilte mit, die Soldaten hätten nahe Beit Hanun einen Hain zerstört, von dem aus militante Palästinenser am Vortag Kleinraketen des Typs "Kassam" auf Israel abgefeuert hatten. Dabei habe man auch die Abschussrampe gefunden. Eine der Raketen war in der Stadt Ashkelon eingeschlagen. Ministerpräsident Ariel Sharon hatte daraufhin die Armee angewiesen, den Raketenbeschuss "mit allen notwendigen Mitteln" zu unterbinden.

Straßensperren im Gazastreifen

Die israelische Armee hat palästinensischen Angaben zufolge am Freitag auf der Hauptverkehrsader im Gazastreifen zwei Straßensperren errichtet. Damit war der Verkehr auf der Saladin-Straße blockiert, wie palästinensische Sicherheitskräfte mitteilten. Die Straßenblockaden befanden sich demnach nahe Deir el Balah im Zentrum und Chan Junis im Süden. Vertreter der israelischen Armee teilten hingegen mit, nur ein Kontrollpunkt nahe der jüdischen Siedlung Gush Katif sei geschlossen worden. Vorausgegangen seien Mörserangriffe auf die Siedlung Kfar Darom.

Nachdem mehrere palästinensische Untergrundorganisationen einen einseitigen Waffenstillstand erklärt hatten, war die zuvor gesperrte Saladin-Straße Ende Juli wieder geöffnet worden. Nach Aufkündigung des Waffenstillstands wurde die Straße am 22. August wiederum geschlossen, einen Tag später aber erneut geöffnet.

Hamas kündigt Vergeltung an

Die Hamas hat Vergeltung für die "gezielte Tötung" eines ihrer Mitglieder durch die israelische Armee angekündigt. Die "Bewegung des Islamischen Widerstandes" werde den Tod des 24-Jährigen "so bald wie möglich rächen", erklärte am Freitag der bewaffnete Arm der Hamas, die "Brigaden Ezzedin-el-Kassam". Zugleich rief die Gruppe ihre Mitglieder auf, "höchste Sicherheitsvorkehrungen" gegen Helikopterangriffe zu treffen.

Die israelische Armee hatte am Donnerstagabend den 24-jährigen Hamdi Kalach durch einen Hubschrauberangriff in Khan Yunis im Gaza-Streifen umgebracht. Vier weitere Palästinenser, unter ihnen ein Kind, wurden dabei zum Teil schwer verletzt. Im israelischen Militärrundfunk hieß es, Kalach sei "ein Experte des Terrors" gewesen. Die außergerichtlich praktizierten "Liquidierungen" sind völkerrechts- und menschenrechtswidrig und haben Israel zuletzt im April eine Verurteilung durch die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen in Genf eingebracht.

Hamas weist Arafat-Aufruf zurück

Die Hamas hat einen Aufruf von Präsident Yasser Arafat zur Wiederaufnahme der Waffenruhe zurückgewiesen. "Wir können nicht über eine Waffenruhe reden, während die Aggression gegen die palästinensische Bevölkerung andauert", sagte Hamas-Sprecher Abdelaziz Rantisi. Arafats Appell signalisiere dem israelischen Ministerpräsidenten Sharon, dass "seine Morde am palästinensischen Volk Früchte tragen".

Bankkonten eingefroren

Die palästinensische Regierung ließ am Donnerstag die Bankkonten von sechs Hamas-Wohltätigkeitsorganisationen einfrieren, wie Informationsminister Nabil Amr mitteilte. Rantisi warf der Regierung daraufhin vor, sie habe dem Druck der "Amerikaner und Zionisten nachgegeben".

Ein Israeli bei Anschlag getötet

Bei einem Anschlag militanter Palästinenser im Westjordanland ist am Freitag ein Israeli getötet worden. Der israelische Rundfunk meldete, die Angreifer hätten nördlich von Ramallah aus einem Versteck das Feuer auf ein Fahrzeug eröffnet. Eine Frau, die ebenfalls in dem Auto saß, erlitt mittelschwere Verletzungen. Die Angreifer entkamen.

In Jenin im Westjordanland griffen militante Palästinenser am Freitag einen israelischen Militärposten an und lösten einen heftigen Schusswechsel aus. Nach israelischen Militärangaben lagen zunächst keine Berichte über Tote oder Verletzte vor. Mehrere gepanzerte Fahrzeuge rückten in die Innenstadt vor, Soldaten feuerten Schüsse ab.(APA/AP/Reuters)

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