In die Gespräche kommt Bewegung

29. August 2003, 19:32
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Pjöngjang warb für seinen "kühnen Vorschlag" zur Beilegung des Konflikts, die USA hörten zu - Im Oktober sollen die Verhandlungen weitergehen

Nach Angaben aus Delegationskreisen in Chinas Hauptstadt gab es in den Hauptstreitpunkten bisher zwar keine Annäherung der gegensätzlichen Positionen zwischen den USA und Nordkorea. "Die USA werden die Forderung nach einem Nichtangriffspakt nicht erfüllen. Pjöngjang wird sein Atomprogramm auch nicht einstellen", fassten Beobachter nach zwei Tagen zusammen, "aber es gibt bei allen den festen Willen, darüber miteinander weiterzureden."

Die Unterhändler der USA, Japans und Nordkoreas bauten am zweiten Verhandlungstag untereinander ihre informellen bilateralen Kontakte aus. Im von der Öffentlichkeit hermetisch abgeriegelten Gästehaus Diaoyutai hatten US-Delegationsleiter James Kelly und sein nordkoreanischer Gegenpart Kim Jong-il bereits Mittwochnachmittag ein knapp 40-minütiges Gespräch. Beim Abendbankett saßen die beiden Kontrahenten 90 Minuten nebeneinander und redeten über Dolmetscher miteinander.

Auch Japans Delegationsleiter konnte am Donnerstag gleich zweimal mit Kim Einzelgespräche führen. Dabei sprach er die Atomfrage und das Problem der von Nordkorea verschleppten Japaner an. Chinas Sitzordnung hatte die informellen Kontakte ermöglicht. Peking platzierte dafür die nordkoreanische Delegation zwischen die Unterhändler der USA und die von Japan.

Ein US-Diplomat bestritt, dass die Kontaktaufnahme zwischen Kim und Kelly im Widerspruch zur US-Politik stünde, keine bilateralen Gespräche mit Nordkorea mehr zu führen. "Für uns waren das keine offiziellen Gespräche. Es gab für sie keine Einladung, keinen eigenen Raum und keine Vorbereitung."

Nordkoreas Unterhändler Kim hatte während seines Eröffnungsvortrages am Mittwoch an den "kühnen Vorschlag" aus der ersten Pekinger Gesprächsrunde im April angeknüpft. Nordkorea würde allen Forderungen im Atomstreit einschließlich von Moratorien für Raketentests entgegenkommen, wenn die USA im Gegenzug einen Nichtangriffspakt schlössen, diplomatische Beziehungen aufnähmen und Wirtschaftshilfe leisteten. Die USA, Japan und Südkorea hätten auf den "neuen Vorschlag" noch nicht reagiert, hieß es aus Delegationskreisen. Sie hätten aber Pjöngjang aufgefordert, zunächst darzulegen, ob und wie viele Atomwaffen sie haben. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 29.8.2003)

Johnny Erling aus Peking
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    Gesten der Einigkeit: Zur offiziellen Eröffnung der Gespräche legten die sechs Chef-Verhandler ihre Hände ineinander

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