VA Tech-Chef Becker sieht Eigentümerwechsel gelassen

29. August 2003, 11:47
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"ÖIAG hat uns finanziell keine bessere Lage gebracht" - VA Tech verringerte Halbjahresverlust

Wien - Relativ gelassen gab sich der Vorstandsvorsitzende der VA Tech, Erich Becker, bezüglich des bevorstehenden Revirements im VA Tech-Aufsichtsrat am 8. September durch den neuen Hauptaktionär Mirko Kovats, der mit der Victory Industriebeteiligung seit heurigem Juli 19,05 Prozent hält. Die ÖIAG, die sich auf 15 Prozent zurückgezogen hat, entspreche der "Gewohnheit im österreichischen Umfeld", habe aber VA Tech finanziell in keine bessere Lage gebracht, sagte Becker, der vor dem Wechsel zur VA Tech im Jahr 1999 selbst im Zweiervorstand der ÖIAG (mit Karl Hollweger als Generaldirektor) gesessen ist.

"Unser Wunsch", sagte Becker heute auf einer Pressekonferenz der VA Tech, sei immer eine Aktionärsstruktur, bei der die Konzernzentrale ("head-quarter") und die Standorte aus österreichischer Sicht gewahrt bleiben. Das sei aber "nicht für die Ewigkeit abzusichern". Wenn jemand ein Übernahmeangebot mache, könne sich die bestehende Aktionärsstruktur jederzeit verändern.

Hinsichtlich der Vorgaben von Kovats, dass die VA Tech eine Umsatzrendite (ROS) von 4 bis 5 Prozent auf EGT-Basis erreichen müsse, sagte Becker, dies sei kurzfristig (heuer) auszuschließen. Der Bereich Hydro werde bereits jetzt "nahe dort sein", andere Sparten jedoch nicht. Erreichbar wäre eine solche Rendite nur über forcierte Rationalisierung. Das erfordere aber große Sozialpläne und damit neue Kosten, die wieder auf die Rendite drücken. "Man muss schauen, ob man das ROS-Ziel in einem Dreijahres-Zeitraum erreichen kann", so Becker.

Verhältnis zu Kovats "durchaus korrekt"

Das Verhältnis zu Kovats nannte Becker "durchaus korrekt". Drei Mitglieder des Sechservorstandes der VA Tech würden Kovats nicht einmal persönlich kennen. Diese Distanz sei eine völlig korrekte Vorgangsweise, "sonst kämen wir bereits in den Geruch der Insiderei". Wenn ein Großaktionär Einfluss auf sein Unternehmen gewinnen wolle, gebe es die bekannte Vorgangsweise der Einberufung einer Hauptversammlung mit Neuwahlen in den Aufsichtsrat, der dann mit dem Vorstand zu kommunizieren habe.

Über diesen Weg werde dann auch der Aufsichtsrat bestimmen, mit wem er im VA Tech-Vorstand zusammenarbeiten wolle. "Ob Doktor Kovats Änderungen im Vorstand anstrebt, weiß ich nicht", sagte Becker auf eine diesbezügliche Frage.

Eine Änderung der VA Tech-Statuten, die ein Übernahmeangebot ab einer Aktienmehrheit von 20 Prozent vorschreibt (im Gegensatz zu 30 Prozent laut Aktienrecht), wäre laut Becker nur mit Einstimmigkeit in der Hauptversammlung möglich. Derzeit ist Victory Industriebeteiligung mit 19,05 Prozent knapp an der 20-Prozent-Grenze. Kovats hatte bisher gesagt: "Ich bin nicht bereit ein Pflichtangebot zu legen".

VA Tech verringerte Halbjahresverlust

VA Tech hat im ersten Halbjahr 2003 bei einem leichten Umsatzrückgang den operativen Gewinn gesteigert, unter dem Strich aber Verluste - wenn auch deutlich geringere als im Vorjahr - geschrieben. Für das Gesamtjahr rechnet das Unternehmen nach Ad hoc-Angaben von heute, Donnerstag, mit einer deutlichen Steigerung des Betriebsergebnisses (Ebit) und einem positiven Nettoergebnis. Auftragseingang und Umsatz des Jahres 2003 sollten in der Größenordnung des Vorjahres liegen.

Der Umsatz des börsenotierten Technologiekonzerns blieb in den ersten sechs Monaten mit 1,724 Mrd. Euro um 4 Prozent hinter der Vergleichswert des Vorjahres zurück. Das Ebit verbesserte sich dagegen von 20,1 auf 23,1 Mio. Euro. Laut VA Tech sind darin Restrukturierungskosten sowie positive Effekte aus der Reduktion von langfristig gebundenem Anlagevermögen (Sale and Leaseback Transaktion Metallurgietechnik mit einem realisierten Effekt von rund 11 Mio. Euro) enthalten.

Auftragseingang auf Vorjahresniveau

Das Finanzergebnis betrug minus 48,5 (nach minus 108,0) Mio. Euro. VA Tech begründet diese Verbesserung mit einer gestiegenen Liquidität, den niedrigeren Zinssätzen sowie dem Wegfall der Abschreibung der Beteiligung an der deutschen Babcock Borsig Power (44,4 Mio. Euro). Damit wies das Periodenergebnis im Halbjahr einen deutlich geringeren Fehlbetrag von minus 23,4 (nach minus 85,1) Mio. Euro aus.

Der Auftragseingang blieb mit 2,211 Mrd. Euro auf Vorjahresniveau. Der Auftragsstand per 30. Juni 2003 belief sich auf 4,335 Mrd. Euro, er stieg zwar im Vergleich zum Jahresultimo 2002 um 9 Prozent, lag jedoch niedriger als vor einem Jahr.

Die Eigentümerstruktur der VA Tech setzt sich nach dem Mitte Mai erfolgten Erwerb des 19,05-Prozent-Anteils der voestalpine durch die Victory Industriebeteiligung AG des Industriellen Mirko Kovats sowie dem jüngsten Verkauf von 9 Prozent des ÖIAG-Anteils wie folgt zusammen: 19,05 Prozent Victory Industriebeteiligung AG, 15 Prozent ÖIAG, 64,28 Prozent Streubesitz. Die restlichen 1,67 Prozent werden von der VA Tech selbst im Rahmen eines Mitarbeiteraktienprogramms gehalten. (APA)

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