Streit um geplanten Offshore-Windpark

28. August 2003, 14:07
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Deutschland: Die Anlage liegt in einem ausgewiesenen Schutzgebiet für Wale und Seevögel

Berlin/Bonn - Heftige Kontroversen gegen einen geplanten Offshore-Windpark vor der Insel Sylt haben der Deutsche Naturschutzbund und der Bund für Umwelt- und Naturschutz erhoben: Die beiden Umweltorganisationen wollen den Bau der Offshore-Anlage mit allen Mitteln verhindern. Grund dafür: Der Windpark liegt in einem ausgewiesenen Schutzgebiet für Wale und Seevögel.

Windkraft boomt derzeit in Mitteleuropa und überall sprießen Windanlagen aus dem Boden. Nach Angaben des deutschen Windenergieinstituts stehen derzeit 14.283 Windturbinen in der Bundesrepublik, die eine Leistung von rund 13.000 MW erzeugen. Etwa 45.000 Menschen sind in dem Industriezweig tätig, der jährlich 3,5 Mrd. Euro umsetzt. Nach Angaben des Windkraftexperten Gerd Rosenkranz sorgte die Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) für den vollen Durchstart der Windenergienutzung. Der festgesetzte Einspeistarif wird staatlich gefördert. Gesetzlich geregelt wurde dabei auch eine Reduktion der Förderung an weniger günstigen Standorten im Binnenland. Damit gibt es grünes Licht für Offshore-Anlagen wie sie auch in Großbritannien und Dänemark seit Jahren betrieben werden.

Verruf ...

Ein Artikel im deutschen Magazin Spiegel hat nun die Umweltschützer, die gegen den Bau der Anlage vor Sylt protestieren, in Verruf gebracht: Kritisiert wird dort die "wankelmütige Haltung" der Umweltschützer. Frank Musiol, Experte für Klima und Energie beim Naturschutzbund (Nabu), sieht das Ganze allerdings etwas anders: "Grundsätzlich tritt der Nabu für den Ausbau erneuerbarer Energien ein", so der Experte. "Allerdings handelt es sich hier um ein als besondere Schutzzone ausgewiesenes Gebiet, das Schweinswalen und zwei auf der roten Liste stehenden Vogelarten wertvollen Lebensraum bietet", erklärt Musiol. Unter 20 geplanten Offshore-Parks befinden sich etwa drei oder vier Schutzgebiete, die ähnlich wie das Projekt vor Sylt vom Nabu verhindert werden sollen.

"Der Nabu vertritt eine klare Linie: Ja zu Offshore-Windparks außerhalb von Schutzgebieten", so Musiol, der die Kritik der Windpark-Betreiber bezüglich der minimalen Störung zurückweist. Für Behauptungen der Befürworter fehlen vielfach Untersuchungen. "Es scheint aber relativ klar zu sein, dass Windanlagen Vögel beim Brüten stören", so Musiol. Zusätzlich falle das Gebiet als Schutzzone unter die Flora-und-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU. "Auch Windparks müssen dort gebaut werden, wo die Störung am geringsten ist", fordert Musiol. (pte)

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