Rekordergebnis

30. August 2003, 15:46
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2003 erbrachte die beste wirtschaftliche Bilanz in der Festspielgeschichte - Vorschau auf 2004

Salzburg - Die Salzburger Festspiele haben heuer ein Rekordergebnis erzielt und beschließen die Saison 2003 mit der besten wirtschaftlichen Bilanz in der Festspielgeschichte. Der Kartenverkauf hat Einnahmen von 23,6 Mio. Euro gebracht, 243.820 Gäste haben das Festival 2003 besucht, und die Platzauslastung betrug 94,3 Prozent, wie der kaufmännische Direktor, Gerbert Schwaighofer, bei der Abschlusspressekonferenz in Salzburg mitteilte.

"Wir haben das beste wirtschaftliche Ergebnis seit Bestehen erzielt", betonte Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler. "Die jahrelange Arbeit scheint Früchte zu tragen", meinte Rabl-Stadler und verwies stolz darauf, dass selbst die Uraufführung "L'Upupa" ausverkauft gewesen wäre.

Zahlen und Ziffern

Mit den Kartenerlösen von 23,6 Mio. Euro konnte die bisherige Bestmarke von 22,4 Mio. Euro, die in den Jahren 1996 und 2001 erzielt worden war, um 1,2 Mio. Euro gesteigert werden. Außerdem wird das im Budget verankerte Einnahmesoll dieses Jahr um rund 1,1 Mio. Euro übertroffen.

243.820 Gäste haben die Salzburger Festspiele 2003 besucht - eine Steigerung um 12.000 oder fünf Prozent gegenüber den Werten des Vorjahrs. Trotz des vermehrten Kartenangebots wuchs die Platzauslastung, die 2002 bei 94,2 Prozent lag, abermals auf 94,3 Prozent an.

Zuzug und Zuwachs

Immer internationaler wird auch das Festspielpublikum: In diesem Sommer kamen die Besucher aus 63 verschiedenen Nationen, darunter 31 außereuropäische Länder. Die meisten Bestellungen erreichten das Kartenbüro aus Deutschland; den höchsten Besucherzuwachs können Frankreich, Italien, die Schweiz und Japan für sich verbuchen (plus sechs Prozent). Auf Grund der Folgewirkungen des Irak-Krieges, vor allem aber auch wegen des gegenüber dem Dollar erstarkten Euro, gab es bei den Gästen aus den USA hingegen einen Rückgang um zwölf Prozent.

Weiter ausgebaut wurde das Angebot für jugendliche Festspielgäste. Drei Sonderveranstaltungen waren primär der Jugend gewidmet: das Familienkonzert der Camerata Salzburg, die Opernsoiree von Donna Leon und die Generalprobe des Attersee Institute Orchestra. Für "reguläre" Vorstellungen wurden 3.920 Karten zu stark ermäßigten Preisen an 1.383 Jugendliche vergeben - auch dies eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr 2002 (3.512 Karten bzw. 1.293 Teilnehmer).

Was 2004 bringt

Im kommenden Jahr werden die Salzburger Festspiele (24. Juli bis 31. August 2004) im Opernbereich vier Neuproduktionen (wobei die Festspiele auch die Koproduktion mit den Osterfestspielen dazu zählen), zwei konzertante Opern und eine Wiederaufnahme bieten. Im Schauspiel wurden drei Premieren (alle als Koproduktionen), ein Liederabend im republic, die Wiederaufnahme des traditionellen "Jedermann" sowie die Fortführung der erfolgreichen Leisten "Dichter zu Gast", "The Winner is..." und "Young Directors Project" angekündigt. Festspiel-Intendant Peter Ruzicka und Schauspiel-Chef Jürgen Flimm gaben dazu erste Eckdaten bekannt, Details sollen auf einer Pressekonferenz am 18. November präsentiert werden.

Die erste Opern-Premiere 2004 gilt am 24. Juli Henry Purcells "King Arthur" in der Felsenreitschule. Flimm selbst inszeniert, Nikolaus Harnoncourt dirigiert den Concentus Musicus Wien. Alle weiteren Opern-Neuproduktionen 2004 werden von den Wiener Philharmonikern bestritten.

"Cosi fan tutte" und "Der Rosenkavalier"

Ab 30. Juli folgt im Großen Festspielhaus die Inszenierung von Mozarts "Cosi fan tutte", die Ursel und Karl-Ernst Herrmann zuvor bei den Osterfestspielen herausbringen, Philippe Jordan dirigiert. Ab 6. August ist im Großen Festspielhaus Robert Carsens Neuinszenierung von Richard Strauss' "Der Rosenkavalier" zu sehen.

Erich Wolfgang Korngolds "Die tote Stadt" inszeniert Willy Decker im Kleinen Festspielhaus (Premiere: 15.8.), Donald Runnicles dirigiert die Koproduktion mit dem Gran Teatre del Liceu und der Wiener Staatsoper, wo die Produktion ab Herbst 2004 im Repertoire gezeigt wird. Korngold soll auch eine der Programmsäulen des nächstjährigen Konzertprogramms bilden.

... und die "Entführung"

Für die Wiederaufnahme der umstrittenen Herheim-Inszenierung von Mozarts "Entführung aus dem Serail" (Ruzicka: "Eine wichtige und mutige Theaterarbeit, an der wir festhalten") kündigte der Intendant der "Werkstatt Salzburg" noch "Präzisierungen" an und versichert: "2006 ist die 'Entführung' ganz sicher im Bereich einer Kultaufführung."

Als konzertante Aufführungen sind Vincenzo Bellinis "I Capuleti ed i Montecchi" (Ruzicka: "musikalisch reich, verlangt aber nicht nach einer szenischen Realisierung) unter Ivor Bolton mit "unserem Salzburger Gewächs aus 2002" (Ruzicka) Anna Netrebko und Prokofjews "Krieg und Frieden" als Gastspiel des Mariinsky Theaters St. Petersburg unter Valery Gergiev vorgesehen. Mit Placido Domingo und Thomas Hampson sind Projekte in Planung.

Schauspiel

Die drei Schauspielpremieren, die Jürgen Flimm ankündigte, sind allesamt Koproduktionen mit prominenten deutschsprachigen Bühnen: Tschechows "Die Möwe" bringen die Festspiele im Landestheater gemeinsam mit der Berliner Schaubühne heraus, Eugene O'Neills "Eines langen Tages Reise in die Nacht" (ebenfalls im Landestheater) ist eine Koproduktion mit dem Residenztheater München und "Edward II." auf der Perner Insel eine mit dem Theater Basel.

Falk Richter, der ebenso als Autor (etwa "Gott ist ein DJ") erfolgreich ist und zuletzt auch Oper inszenierte, führt bei "Die Möwe" Regie, Elmar Goerden, Oberspielleiter des Münchner Residenztheaters, inszeniert O'Neill, und Sebastian Nübling, der zuletzt mit "I Furiosi - Die Wütenden" bei den Wiener Festwochen gastierte, widmet sich Christopher Marlowes "Edward II." in der Fassung von Bertolt Brecht - ein Stück, das für Flimm durch die Intrigen und Polit-Skandale im Hamburger Senat, bei der Homosexualität und Privatleben für politische Intrigen missbraucht würden, hochaktuell ist.

Konzerte

Im Konzertbereich werden die Wiener Philharmoniker 2004 fünf Doppelprogramme spielen, die von Seiji Ozawa, Riccardo Muti, Georges Pretre, Nikolaus Harnoncourt und Christoph Eschenbach geleitet werden. Als Gastorchester werden u.a. wieder die Berliner Philharmoniker unter Simon Rattle und die Tschechische Philharmonie zu hören sein, die zum Dvorak-Gedenkjahr das Requiem des Komponisten spielen werden.

Als Composer in residence sind György Kurtag und Jörg Widmann (Ruzicka: "Die vielleicht größte Begabung der Um-die-30-Jährigen") angekündigt. Die Salzburg Passagen gibt es erst wieder 2005. Am Konzept, 2006 alle 22 Mozart-Opern spielen zu wollen, hält Ruzicka unverändert fest und hat auch "keinen Zweifel", dass beim Umbau des Kleinen Festspielhauses "alles zu einem guten Ende finden wird": "Am 21. Juli 2006, 18.30 Uhr, findet dort 'Figaros Hochzeit' unter Nikolaus Harnoncourt statt. Das steht fest - und daran wird sich nichts ändern."

Thema Geld

Zu weiteren Opern-Uraufführungs-Plänen meinte Ruzicka: "Ich gehe davon aus, dass wir bis 2006 noch zwei Uraufführungen haben werden", vieles hänge aber auch von Gesprächen mit Mäzen Alberto Vilar ab, die im Herbst geführt werden sollen. "Seine Beiträge stehen derzeit in keinem Budget", meinte Rabl-Stadler, "aber es wäre sehr schön, wenn wir wieder mit seinem Geld rechnen könnten." Die AUA wollte ihre Sponsorentätigkeit reduzieren und vermutlich künftig nicht mehr als Hauptsponsor auftreten, Verhandlungen darüber seien im Laufen, so die Präsidentin.

Das Geld, das man 2003 erwirtschaftet habe, könne man jedenfalls bestens gebrauchen, versicherte der Kaufmännische Direktor Gerbert Schwaighofer: "Jeder Cent, den wir auf die hohe Kante legen können, ist mehr als wichtig." Der Grad der Eigenerwirtschaftung (53,7 Prozent des Budgets haben die Festspiele 2003 aus Kartenerlösen aufgebracht, weitere zehn Prozent kommen aus weiteren Einnahmen wie Programmverkäufen oder TV- und Koproduktionsbeiträgen, dazu kommen Sponsorengelder und Zuwendungen der Festspiel-Freunde) habe mit weit über 70 Prozent heuer ebenfalls eine neue Rekordhöhe erreicht. (APA)

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