Leitl: Kein Geld mehr für Kinderbetreuung

29. August 2003, 17:47
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Chef der Wirtschaftskammer spielt den Ball beim Thema Betriebskindergärten an die Politik zurück

Wien - Die Wirtschaft wird keine zusätzlichen Mittel für die Familienpolitik zur Verfügung stellen. Das stellt der Präsident der Wirtschaftskammer (WKÖ), Christoph Leitl, in den "Oberösterreichischen Nachrichten" von heute, Donnerstag, fest. Er kritisiert, dass der FLAF (Familienlastenausgleichsfonds) vor zwei Jahren - trotz Warnungen der Wirtschaft - ausgeschöpft worden sei. Jetzt müsse man "schauen, dass wir mit den Mitteln, die der FLAF in den nächsten Jahren bietet, auskommen. Dazu brauchen wir ein Wirtschaftswachstums- und Konjunkturprogramm, damit auch der FLAF wieder zusätzliche Mittel hat." Auch die Betriebe selbst spielen den Ball an die Politik zurück.

In der Frage der Betriebskindergärten sei die Wirtschaft ohnehin "aktiv". Die Anregung von Frauenministerin Maria Rauch-Kallat (V), Klein- und Mittelbetriebe sollten gemeinsam Betriebskindergärten schaffen, sei auch unter dem Blickwinkel der Probleme in der Wirtschaft zu sehen: "Schauen Sie nur, wie viele Betriebe heute um ihre Existenz kämpfen. Die Politik macht sich's oft sehr leicht. Wenn wir Forderungen stellen, werden die weggewischt. Und wenn wir nachträglich Recht haben, sagt man: 'Warum habt ihr keine Lösung?'"

Verstärkter Kontakt als Lösung für Problem Wiedereinstieg

Dem Problem des Wiedereinstiegs für Frauen nach der Babypause will Leitl mit verstärktem Kontakt begegnen: "Es soll nicht Wiedereinsteigerin heißen, sondern von vornherein Nicht-Aussteigerin. Das heißt, dass man mit einem parallelen Programm so mit dem Beruf in Kontakt bleibt, dass man den Anschluss, die Entwicklung, die in vielen Branchen ja sehr schnell geht, nicht verliert", so der WKÖ-Präsident.

Bei den Betrieben selbst herrscht der Tenor "ja, aber ..." vor, wenn es um bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht. Die grundsätzliche Bereitschaft der Chefs endet, wenn vom Staat verordnete Mehrkosten zu befürchten sind, so das "WirtschaftsBlatt" von heute und zitiert Unternehmer. Franz Salomon, Logistikspezialist: "Die Politik hat ganz klar die Aufgabe, Investitionen in familienfreundliche Maßnahmen durch Abschreibungsmöglichkeiten zu unterstützen."

Steuerentlastung als Bedingung für Schaffung von Kinderbetreuungsplätzen

Ernst Mayr, Geschäftsführer der Modehandelskette Fussl: "Wenn die Wirtschaft die Kinderbetreuung für ihre Mitarbeiter übernehmen soll, muss sie auf der anderen Seite Steuerentlastungen erhalten." Georg Pfeiffer, Eigentümer der Trauner Handelsgruppe fordert im Gegenzug eine Entlastung der Lohnnebenkosten. H&M-Chefin Claudia Oszwald sieht ihr Unternehmen bereits jetzt als äußerst familienfreundlich: "Bei uns verdienen Frauen gleichviel wie Männer und wir bieten individuell abgestimmte Teilzeitmodelle."(APA)

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