Typologie der Schreibtischtäter

15. Oktober 2003, 11:54
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In Zusammenarbeit mit dem Autor Cary Cooper, einem der bedeutendsten europäischen Psychologen, untersuchte Logitech Hunderte von Schreibtischen in ganz Europa und destillierte fünf "Tätertypen" - von chaotisch bis zwanghaft ordentlich

Pedanten, die sich um eine neue Position bewerben, haben derzeit anscheinend hervorragende Karten: "Genau wie das äußere Erscheinungsbild dazu beitragen kann, den Traumjob zu bekommen, beeinflusst auch der Eindruck vom Arbeitsplatz die Wahrscheinlichkeit eines beruflichen Aufstiegs", so das Resümee der in Zusammenarbeit mit dem Autor und Psychologen Cary Cooper und Logitech erstellten Schreibtisch-Studie.

70 Prozent des Top-Managements würden Leute bevorzugen, deren Schreibtische aufgeräumt und ordentlich sind. Eine Umfrage unter Managern ergab, dass 55 Prozent einen chaotischen Schreibtisch mit einer unzuverlässigen, amateurhaften und unaufmerksamen Arbeitsweise assoziieren.

Aus den Untersuchungen ließen sich fünf Typen ableiten:

  • Ordnungsfanatiker, penibel ordentliche Mitarbeiter mit stets perfekt aufgeräumtem Schreibtisch. Sie sind sehr zuverlässig, zeigen aber nur ungern Emotionen.
  • Familienmenschen haben einen ordentlichen Schreibtisch mit Fotos von Freunden und Familie. Sie sind sehr loyal, familiär und legen Wert auf gute Freunde. Gelegentlich vermeiden sie es jedoch, Probleme in (beruflichen) Beziehungen anzusprechen.
  • Designverliebte Leader legen viel Wert auf Stil und nutzen die neueste Technologie und die modernsten Designermöbel. Sie sind sehr zielstrebig und professionell in der Zusammenarbeit, aber vermeiden es, ihre Gefühle zu zeigen.
  • Büro-Animateure sorgen für den Spaßfaktor am Arbeitsplatz unter anderem durch ständig neue Gegenstände und bunte Schreibwaren auf ihrem Schreibtisch. Sie können den Zusammenhalt im Team fördern, werden aber oft nicht ernst genommen.
  • Chaosbeherrschendes Genies horten stapelweise Papier auf ihrem Schreibtisch. Sie sind spannend und spontan, können aber unzuverlässig und verunsichert sein.

Dennoch warnt Cooper davor, jemanden nur aufgrund von Äußerlichkeiten zu beurteilen: "Obwohl Leute mit aufgeräumten Schreibtischen vielleicht organisierter und strukturierter erscheinen, kann das auch bedeuten, dass sie eigensinnig und unflexibel sind.

Ein ordentlicher Schreibtisch kann auch ein Zeichen dafür sein, dass ein Mitarbeiter nur zwischen neun und fünf Uhr Freude an der Arbeit hat und am Ende des Arbeitstages einen Schlussstrich ziehen will."

Voreilige Schlüsse

Umgekehrt können Menschen mit unaufgeräumten Schreibtischen die gewissenhaftesten Mitarbeiter sein, die mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen können und bereit sind, Überstunden zu machen, wenn es ihr Job erfordert.

Wie in jedem Umfeld, in dem viele Menschen zusammen im Team arbeiten, muss eine gesunde Mischung vorhanden sein. Das garantiert, dass einige Teammitglieder kreativ sind, andere kollegial und wieder andere detailorientiert. (Johanna Zugmann, DER STANDARD Printausgabe, 23./24.8.2003, red)

  • So mancher Schreibtisch würde sich nach dem Urteil von Top-Managern als Karrierebarriere erweisen
    foto: semotan

    So mancher Schreibtisch würde sich nach dem Urteil von Top-Managern als Karrierebarriere erweisen

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