Unternehmen sehen das Potenzial der Mädchen

16. Oktober 2003, 12:45
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Gerrit Hengstler, Direktorin der Polytechnischen Schule Deutschfeistritz, will positive Entwicklungen am Lehrstellenmarkt erkennen

Als "Brücke zwischen der Schule zum Beruf" will Gerit Hengstler, Direktorin der Polytechnischen Schule Deutschfeistritz, ihre Bildungseinrichtung sehen. "Es ist für die Jugendlichen schon schwieriger geworden, einen Lehrplatz zu finden. Es sind andere Qualitäten gefragt, kommunikative Fähigkeiten zum Beispiel." Und diese Qualifikationen will sie in ihrer Schule vermitteln. "Fast die Hälfte der Stunden sind frei wählbar, es gibt einen ausgeprägten Praxisbereich und 2 Schnupperwochen."

Für Gerrit Hengstler hat sich auch in den letzten Jahren sehr viel Positives auf Seiten der Wirtschaft für die Mädchen getan. Unternehmen seien offener geworden und erkennen mittlerweile die Qualifikationen der Frauen. Ebenso seien Ehe und Familie nicht mehr so wichtig in der Lebensplanung der Mädchen, was zu einer höheren Bereitschaft der Unternehmen, Mädchen einzustellen, führen würde.

Jugendlichen haben sich verändert

"Die Jugendlichen haben sich aber auch verändert. Sie sind oberflächlicher. Haben viel Geld, wollen ihr Leben genießen. Dann sind sie wieder schüchtern, zu verschreckt oder zu übertrieben und von oben herab. 14/15 ist ja sowieso schon eine schwierige Phase. Und von Zuhause bekommen sie immer weniger Unterstützung."

Deshalb sei ihr auch wichtig mit den Eltern in Kontakt zu sein. "Ich ruf schon mal an und frage nach, ob schon eine Lehrstelle in Aussicht ist. Das geht mich ja eigentlich gar nichts an, aber ich will da auch hartnäckig sein." Viele Eltern seien auch hilflos und begännen zu verzweifeln, wenn die Tochter keine Lehrstelle finden könne. "Ich sage den Eltern immer, wenn ihre Kinder sie brauchen, dann jetzt."

Berufsorientierungsunterricht wichtig wie nie zuvor

Den Wert und Nutzen des Berufsorierungsunterrichts kann Hengstler gar nicht genügend hervorstreichen. Zumindest ab der ersten Klasse Hauptschule sollte dieser stattfinden und gleichzeitig auch in den anderen Fächern vorkommen. "Mädchen entscheiden sich oft nur für einen Lehrberuf und versteifen sich dann drauf. Das macht die Suche auch nicht gerade einfacher."

Sollte dennoch nicht sofort eine Lehrstelle zu finden sein, gelte es nicht aufzugeben. "Die Mädchen sollen dranbleiben und weiter suchen. Sie sollen unbedingt beim AMS melden, dass die eine Lehrstelle suchen, so kommen sie auch in diverse Lehrgänge hinein. Auf alle Fälle müssen sie etwas machen in der Zeit der Lehrstellensuche." Betriebe würden Eigeninitiative schätzen und so auch über eine längere Zeit der Arbeitslosigkeit hinwegsehen.

(e_mu)

  • Gerrit Hengstler, Direktorin der Polytechnischen Schule Deutschfeistritz
    Gerrit Hengstler, Direktorin der Polytechnischen Schule Deutschfeistritz
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