Josef Hesoun 1930 – 2003

29. August 2003, 16:47
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Sozialminister war Vater des Pflegegeldes

Zu Lebzeiten war der in der Nacht auf Donnerstag im 74. Lebensjahr verstorbene Josef Hesoun manchem jener, die seinen Tod betrauern, ein rotes Tuch. Bei der Besetzung der Hainburger Au 1984 drohte "Jolly" als stellvertretender Vorsitzender der Baugewerkschaft, "seine" Arbeiter zum Aufräumen zu schicken. Nach den starken Worten beließ es der überzeugte Sozialpartner beim Verhandeln.

Den Ruf als "Betonierer" wurde der 1930 in Vösendorf geborene Hesoun dennoch nie los. Er verstand sich durch und durch als Kind der Sozialdemokratie: Der gelernte Schlosser arbeitete als Hilfsarbeiter und Angestellter, wurde Betriebsrat bei den Wienerberger Ziegelwerken und startete dort eine Gewerkschaftskarriere, die 1987 in der Wahl zum Vizepräsidenten des ÖGB gipfelte. Seit 1979 Nationalratsabgeordneter, erreichte Hesoun 1990 den Zenit, als ihn Kanzler Franz Vranitzky zum Arbeits- und Sozialminister machte. 1995 schied Hesoun aus dem Amt – gepeinigt von der Nachrede, er habe seiner SP-Kollegin Waltraud Schütz ins Rückendekolletee gegriffen. Hesoun hat dies stets vehement bestritten.

Als Sozialminister bewies der Pragmatiker Standfestigkeit. Er setzte das Pflegegeldgesetz durch, erreichte die Anrechnung der Kindererziehungszeiten an die Pension, gliederte die Arbeitsmarktverwaltung aus – Leistungen, die nun auch Gegner wie Kanzler Wolfgang Schüssel, Vize Herbert Haupt oder Karl Öllinger würdigen. Die SPÖ betrauert den Tod eines ihrer Großen. (kob/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.8.2003)

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    Der ehemalige SP-Sozialminister Josef Hesoun ist gestorben.

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