Reiche Onkels aus Amerika

31. August 2003, 21:18
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Europäer verdienen um 40 Prozent weniger als US-Amerikaner - USA besser bei Forschung und Ausbildung und rascher in Annahme neuer Technologien

Alpbach - Europäer verdienen - gemessen an der Kaufkraft - um 40 Prozent weniger als der durchschnittliche US-Amerikaner. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), die am Mittwoch bei den Wirtschaftsgesprächen am Europäischen Forum Alpbach veröffentlicht wurde. Demnach betrug das Pro-Kopf-Einkommen in den USA im Vorjahr 34.000 Euro, in der EU hingegen nur 24.400 Euro. Der Abstand ist seit rund 40 Jahren unverändert.

Hauptgrund dafür ist, dass in den USA die Beschäftigungsrate mit 80 Prozent deutlich über höher ist als in der EU mit 67 Prozent. Außerdem arbeiten Europäer auch deutlich weniger: Während die Jahresarbeitszeit in der EU bei 1.600 Stunden liegt, arbeiten Amerikaner fast 1.900 Stunden im Jahr. Die Konsequenz daraus: Während das Bruttoinlandsprodukt in den USA im nächsten Jahr um rund 4 Prozent steigen soll, werden es in der EU nach derzeitigem Stand im nächsten Jahr nur 2,3 Prozent sein.

Europa fällt zurück

In den vergangenen fünf bis sieben Jahren habe Europa nicht mehr aufgeholt, sondern sich der Abstand im Gegenteil noch vergrößert, sagte Wifo-Experte Karl Aiginger zum Auftakt der Wirtschaftsgespräche in Alpbach. Die letzte Rezession sei in der EU erneut stärker gewesen als in den USA - "sowohl was Wachstum, als auch die Produktivität betrifft".

Den Grund dafür sieht Aiginger im Vorsprung der Amerikaner im Bereich Forschung und Ausbildung und in der rascheren Annahme neuer Technologien. Nur in zwei von 16 Wachstumskriterien - bei der Zahl der Mobilfunk-Kunden und bei den Ausgaben für Telekommunikation - liege die EU vor den USA.

Skandinavier führend in Europa

Der Rückstand ist allerdings nicht in allen Ländern gleich groß. Schweden, Finnland, Dänemark und die Niederlande lägen - dank zukunftsorientierter Investitionen vor allem in die Telekommunikationsindustrie - fast gleich auf mit den USA. Große Problemkinder Europas seien hingegen Deutschland, Frankreich und Italien.

Generell punkten kann Europa hingegen in sozialen Fragen. In der EU werden 24 Prozent der öffentlichen Ausgaben für Wohlfahrt ausgegeben, in den USA nur 16 Prozent. Und während in Europa fast jeder krankenversichert ist, hat in den USA ein Fünftel der Bevölkerung keine Krankenversicherung. Auffällig ist außerdem die hohe Kriminalitätsrate in den USA, rund 1 Prozent der US-Bevölkerung sitzt im Gefängnis.

Ob die EU in den nächsten zehn Jahren auch den wirtschaftlichen Rückstand aufholen werde oder nicht, lässt sich laut Aichinger nicht mit Sicherheit prognostizieren. Trotz des hohen Budgetdefizits und der enormen Sicherheitskosten in den USA geht der Experte allerdings eher davon aus, dass der Abstand sich tendenziell noch vergrößern werde. In den entscheidenden Wachstumsfaktoren lägen die USA immer noch vor Europa, so Aiginger.(APA)

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    Nicht alle Amerikaner sind so wohlhabend wie JR aus "Dallas", dennoch verdienen Europäer durchschnittlich um 40 Prozent weniger als die US-Amerikaner

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