Aufgebrachte Iraker erschießen britischen Soldaten

29. August 2003, 17:52
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Bei Angriff auf Konvoi im Süden - USA und Großbritannien bemühen sich weiter um neue UN-Resolution

Bagdad - Eine Gruppe aufgebrachter Iraker hat im Süden des Landes mit Gewehren und Granaten auf eine britische Militärpatrouille geschossen und dabei einen Soldaten getötet. Bei dem Vorfall in der südirakischen Stadt Ali Ash Sharki sei ein weiterer Soldat verletzt worden, teilte die britische Armee am Donnerstag mit.

Ihr Konvoi wurde nach Militärangaben schon am Mittwochabend auf dem Rückweg von einer Razzia von etwa 30 Personen gestoppt, die die Straße blockierten. Die Soldaten hätten die Blockade umfahren, seien aber bald darauf von einer zweiten Menschenmenge zum Halten gebracht worden. Daraufhin seien sie aus ihren Fahrzeugen gestiegen und hätten zwei Warnschüsse abgegeben, um die Blockade aufzulösen. Die Iraker hätten aber angegriffen und Schüsse und Granaten auf die Soldaten abgefeuert.

Zehn Personen verhaftet

Nach den tödlichen Schüssen nahmen die Briten zehn Personen fest und zogen sich mit Unterstützung aus der Luft in ihre Kaserne bei El Amarah zurück, 120 Kilometer nördlich von Basra. Die Zahl der in Irak getöteten britischen Soldaten stieg damit auf 49, davon elf seit dem offiziellen Kriegsende. Am 1. Mai hatte US-Präsident George W. Bush das Ende der Hauptkampfhandlungen im Irak verkündet. Seitdem starben auch 64 US-Soldaten bei Angriffen und Anschlägen aus dem Hinterhalt.

Verhandlungen über UN-Resolution

Die USA und Großbritannien bemühten sich unterdessen weiter um eine neue UNO-Resolution mit dem Ziel, weitere Länder zu einem militärischen und finanziellen Engagement im Irak zu bewegen. Der Anschlag auf das UNO-Hauptquartier in Bagdad in der vergangenen Woche hatte wie bereits frühere Anschläge Zweifel aufkommen lassen, ob die US-geführten Besatzungstruppen im Irak für Sicherheit und Ordnung sorgen können. Bei dem Anschlag waren 23 Menschen getötet worden.

Gegenwärtige Koalition

Gegenwärtig sind etwa 150.000 US-Soldaten und 21.000 Soldaten anderer Länder - davon 11.000 britische - dort stationiert. Während unter anderem das US-Verteidigungsministerium es ablehnt, die Befehlsgewalt im Irak mit anderen Staaten zu teilen, verlangt insbesondere Frankreich eine stärkere Rolle der Vereinten Nationen. Außenminister Dominique de Villepin bekräftigte am Donnerstag die Forderung von Paris nach einer internationalen Truppe unter UN-Mandat im Irak: "Wir dürfen die Besatzungstruppen nicht einfach nur aufstocken. Der Einsatz muss unter einem Mandat des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen erfolgen".

Präsident Jacques Chirac hatte bereits nach dem Anschlag auf das UN-Hauptquartier in Bagdad erklärt, dass Paris es jetzt mehr denn je für nötig halte, die politische Führung im Irak nach einem festen Fahrplan an die Vereinten Nationen zu übergeben. Frankreich hatte wie auch Deutschland den US-geführten Einmarsch scharf kritisiert.

USA brauchen mehr Geld

Beim Wiederaufbau im Irak kommen die USA offenbar in finanzielle Zwänge. Wie am Mittwoch aus Regierungskreisen in Washington verlautete, wird das Weiße Haus den Kongress womöglich noch für September um mehr Geld bitten. Bisher hatte die Regierung erklärt, sie werde zwar für das Haushaltsjahr 2004 mehrere Milliarden Dollar zusätzlich benötigen, bis Ende September sei aber ausreichend Geld vorhanden.

Beim Wiederaufbau des Irak hatte das Pentagon noch Anfang August geschätzt, dass zum Ende des Haushaltsjahres am 30. September noch vier Milliarden der im April bewilligten 62,6 Milliarden Dollar (57,4 Mill. Euro) übrig sein würden. US-Verwalter Paul Bremer hat jedoch eine Verstärkung des Einsatzes gefordert. Derzeit belaufen sich die Militärkosten der USA im Irak auf etwa 3,9 Milliarden Dollar pro Monat. Nicht enthalten sind darin die Mittel, die die Zivilverwaltung für den Wiederaufbau benötigt.(APA/Reuters/dpa)

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