Salzburger FPÖ endgültig gespalten

28. August 2003, 18:41
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Nach Austritt von Landesparteivize Naderer trat die FP-Fraktion seiner Gemeinde geschlossen aus der Partei aus

Salzburg/Innsbruck - Nachdem der Seekirchner Vizebürgermeister und LAbg. Helmut Naderer am Dienstag seinen Austritt aus der FPÖ erklärt hatte, folgte ihm jetzt geschlossen die ganze Stadtfraktion. Die Gruppe wird nun in Zukunft als "freie Demokraten Seekirchen" (FDS) für die Mitbürger da sein, hieß es in einer Aussendung des neuen Fraktionsobmanns der FDS, Franz Schmidhuber, am Donnerstag. "Der Schritt, der uns naturgemäß nicht leicht gefallen ist, wird in Seekirchen durchaus begrüßt." Viele FPÖ-Mitglieder seien schon ausgetreten oder hätten angekündigt, diesen Schritt zu vollziehen.

Die seit Monaten de facto existierende Spaltung der Salzburger Freiheitlichen ist am Dienstag auch formal vollzogen worden: Helmut Naderer - Landtagsabgeordneter, Landesparteivize, Flachgauer FP-Bezirksobmann und stellvertretender Bürgermeister von Seekirchen - ist aus der FP ausgetreten. Zuvor war gegen Naderer von FP-Landesparteichef Karl Schnell bereits ein Parteiausschlussverfahren angestrengt worden, nachdem sein einstiger Mitstreiter angekündigt hatte, bei den Gemeinderatswahlen im März kommenden Jahres mit einer eigenen Liste gegen die FPÖ antreten zu wollen.

Ob die Liste namens "Freie Demokraten" nur auf kommunaler Ebene operieren wird oder auch landesweit zur Wahl antritt, ist bis dato nicht entschieden. Naderers Gruppe könnte jedoch auf Unterstützung hoffen: Den Reihenaustritten in Hallein oder Wals-Siezenheim ist heuer auch die Gemeinderatsfraktion der ehemals freiheitlichen Hochburg Bad Gastein gefolgt.

Für die FPÖ ist das "Adieu" wichtiger Ortsgruppen und Funktionäre aus dem Flachgau ein schwerer Schlag. Wahlen werden in Salzburg nämlich in den stimmenstärksten Bezirken Salzburg-Stadt und eben im Flachgau gewonnen oder verloren. Die Schnell-Partei steht derzeit in den Umfragen bei etwa sechs Prozent (1999: 19,6).

Ruhe dürfte in die FP übrigens auch nach dem Austritt des einst zweiten Mannes der Blauen keine einkehren. In der Fraktion der Freiheitlichen Arbeitnehmer wird heftig über den möglichen Spitzenkandidaten für die AK-Wahlen Anfang 2004 diskutiert. Der dem Lager Schnells zugerechnete Herbert Trattnig hat sich in der blauen Fraktion als nicht mehrheitsfähig erwiesen.

Weitere Personalrochaden bei FPÖ-Tirol

Auch bei der FPÖ in Tirol gingen die Personalrochaden weiter. Zwei Mitglieder des Haller Stadtvorstandes haben am Mittwoch ihren Rücktritt bekannt gegeben. Zudem habe auch der unter Landesparteichef Willi Tilg aus der Tiroler FPÖ ausgeschlossene RFS-Obmann Mathias Kern seinen Rücktritt aus dem Stadtvorstand bekannt gegeben. Ein Rücktritt Kerns sei aber gar nicht möglich, da dieser keinerlei Funktionen in FP-Gremien mehr ausübe, erklärte Landesparteisekretär Norman Schadler am Donnerstag.(neu/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.8.2003/APA)

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