Israel bleibt trotz Fehlangriffs bei "gezielten Tötungen"

28. August 2003, 16:12
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Raketenangriff gegen Hamas-Funktionär in Gaza tötete Unbeteiligten und verletzte rund 20 Menschen

Die israelische Führung will trotz des Todes eines unbeteiligten älteren Mannes bei einem Raketenangriff zwischen Gaza und Djebalia am Dienstagabend ihre Politik der "gezielten Tötungen" fortsetzen. Der jüngste Angriff galt Khaled Massoud, einem Hamas-Kommandanten, der gerade noch aus seinem Auto springen konnte. Rund 20 Passanten wurden zudem verletzt, als drei Raketen einschlugen.

Ein abermaliges Vorrücken israelischer Bodentruppen in den Gazastreifen dürfte aber nicht aktuell sein, weil nach Einschätzung der israelischen Geheimdienste die Raketenschläge ihre Wirkung tun: Die Hamas-Kader seien demoralisiert, in Panik und in der Defensive.

In der Tat hat die Hamas ihre Leute per Flugblatt angewiesen, Telefongespräche und Autofahrten zu vermeiden und ihr Äußeres zu verändern. Große Kaliber der Terrorzellen sollen ihre Bärte abrasiert und sich sogar als Frauen verkleidet haben. Prominente Funktionäre gehen den Medien aus dem Weg und zeigen sich nicht mehr bei den Begräbnissen der "Märtyrer".

Während die USA die Israelis gewähren lassen und den politischen Druck auf die Palästinenser verlagern, beklagt Premier Mahmud Abbas wiederum, dass jede israelische Rakete ihn weiter schwäche - sowohl im Machtkampf mit Autonomiechef Jassir Arafat als auch bei den Versuchen, die radikalen Gruppen zu einem neuen Waffenstillstand zu bewegen. Bei einem Vertrauensvotum im Parlament, dem er sich binnen zwei Wochen stellen soll, dürfte der Premier in akute Sturzgefahr kommen. Als Nachfolger ist schon der jetzige Ratspräsident Ahmed Korei, genannt Abu Ala, im Gespräch.


Rechtshilfe abgelehnt

Wien/Jerusalem - Österreich hat ein Rechtshilfeersuchen des israelischen Justizministeriums endgültig abgelehnt. Die Ratskammer des Landesgerichts Wien bestätigte eine Richterentscheidung vom Juni, derzufolge Österreich keine Hilfe bei Ermittlungen gegen die Söhne von Premier Ariel Sharon leisten müsste. Dabei geht es um ein Bankkonto bei der Bawag, auf das der südafrikanische Geschäftsmann Cyril Kern 1,5 Millionen Dollar überwies. Die Sharon-Söhne erhielten die Summe zur Deckung von Wahlkampfschulden ihres Vaters. Anders als die israelische Justiz sah Wien aber keinen ausreichenden Verdacht auf Bestechung, der Ermittlungen zur Identität des Kontoinhabers und Nutznießer gestatten würde, erklärte Gerichtssprecher Frederick Lendl gegenüber dem STANDARD. Das Rechtshilfe- ersuchen gibt an, zwei Geschäftsleute stünden hinter dem Geldtransfer, nennt aber nicht deren Namen. (mab/DER STANDARD, Printausgabe, 28.8.2003)

Von Ben Segenreich aus Tel Aviv
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