Nigeria: Urteil in Steinigungsprozess vertagt

29. August 2003, 10:45
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Wegen der Geburt eines unehelichen Kindes wurde eine 31-Jährige des Ehebruchs für schuldig erklärt - Regierung in Bedrängnis

Katsina - Für die zum Tod durch Steinigung verurteilte Nigerianerin Amina Lawal hält die Zeit der quälenden Ungewissheit weiter an. Ein Berufungsgericht in der nordnigerianischen Stadt Katsina vertagte die Urteilsverkündung gegen die Mutter einer unehelichen Tochter am Mittwoch auf den 25. September. Zum Auftakt der zweiten Berufungsverhandlung hatten Verteidigung und Anklage noch einmal ihre Argumente dargelegt. Ein Scharia-Gericht hatte Lawal im vergangenen Jahr zum Tod durch Steinigung verurteilt, weil sie eine uneheliche Tochter geboren hatte.

Inkraftreten des Rechts

Der Anwalt der 31-Jährigen hatte in der Verhandlung vor dem Obersten Gericht des Teilstaats Katsina geltend gemacht, dass seine Klientin in erster Instanz nicht richtig über die Anklage und mögliche Folgen ihrer Äußerungen aufgeklärt worden sei. Außerdem sei Lawals Tochter Wasila gezeugt worden, bevor das islamische Recht im Jahr 2000 wieder in Katsina eingeführt worden sei.

Denunziation

Lawal war im vergangenen Jahr nach dem islamischen Scharia-Recht zum Tod durch Steinigung verurteilt worden, nachdem Dorfbewohner sie wegen der Geburt eines unehelichen Kindes denunziert hatten. In einem ersten Berufungsverfahren wurde das Todesurteil im vergangenen Sommer bestätigt; der jungen Frau droht demnach die Hinrichtung, sobald ihre jüngste Tochter nicht mehr gestillt werden muss. Sollte ihr Einspruch erneut abgelehnt werden, kann Lawal Berufung vor dem Obersten Gerichtshof einlegen.

Regierung in Bedrängnis

Die nigerianische Bundesregierung von Präsident Olusegun Obasanjo ist durch den Fall Lawal in Bedrängnis geraten: Die Scharia war unter Missachtung der nigerianischen Verfassung in zwölf von 36 Teilstaaten wieder eingeführt worden, was insbesondere im Ausland zu Protesten führte. Sollte das Berufungsgericht Amina Lawal erneut für schuldig befinden, hatte Obasanjo bereits im Vorfeld eine Aufhebung des Urteils durch ein Bundesgericht zugesichert. (APA/AFP)

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    Die Angeklagte selbst saß mit dem kleinen Mädchen im Arm in einer Ecke des bis auf den letzten Platz besetzten Gerichtssaals und verfolgte das Verfahren angespannt.

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