Schäden, die ein halbes Jahrhundert bleiben

27. August 2003, 13:41
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Schleppnetzfischerei in der Nähe von Meeresvulkanen gefährdet Tiefsee-Tierarten, die noch gar nicht entdeckt sind

London - Die Schleppnetzfischerei in der Nähe von Meeresvulkanen gefährdet zahlreiche noch unentdeckte Tiefsee-Tierarten. Davor warnen Ozeanographen im britischen Wissenschaftsmagazin "New Scientist". Erst seit wenigen Jahren wissen Meeresbiologen, dass sich bei den unterseeischen Vulkanen eine ungeahnte Vielfalt von Lebewesen tummelt - bis zu 40 Prozent dieser Bewohner kommen jeweils nur bei einem Bergkegel vor.

Verborgene Biotope

Insgesamt gibt es allein im Pazifik schätzungsweise 30.000 derartige Berge. "Sie sind 'Hot spots' für die Evolution neuer Arten", erläuterte Karen Stocks von der Universität von Kalifornien in San Diego der Zeitschrift.

In den vergangenen Jahren wurden rund 150 dieser Meeresberge erforscht und Tausende neuer Arten entdeckt. Viele küstennahe Unterwasservulkane werden seit Jahrzehnten befischt, aber immer mehr Schleppnetzschiffe suchen mit Sonargeräten nach abgelegeneren, unberührten Fanggründen. Bereits nach einem Jahr haben die Grundschleppnetze an den unterseeischen Bergen kaum zu behebende Schäden angerichtet, berichten Stocks und ihre Kollegen.

Hälfte der Biomasse "weggeschleppt"

So zeigten Studien aus der Tasmanischen See, dass die dortigen Vulkankegel normalerweise zu 90 Prozent von Korallen und Schwebetierchen fressenden Stachelhäutern bedeckt sind. Sei jedoch ein Schleppnetz darüber gezogen worden, sinke die Quote auf fünf Prozent, und der Berg habe die Hälfte seiner Biomasse verloren.

"Manche Meeresberge im Nordpazifik haben sich selbst 50 Jahre später noch nicht von einer Befischung erholt", warnte der kanadische Ozeanograph John Dower jüngst auf einem Meeresforscher-Symposium in Oregon. Fischereinationen sollten deshalb gemeinsam gegen diese Praktiken vorgehen. (APA/dpa)

Vgl. "New Scientist", (Nr. 2410, S. 6)
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