Dagestan: Minister bei Bombenanschlag getötet

28. August 2003, 14:57
posten

Überfall vor seiner Wohnung

Machatschkala/Moskau - In der russischen Kaukasus-Teilrepublik Dagestan ist am Mittwoch nach Polizeiangaben der Minister für nationale Politik, Information und äußere Beziehungen, Magomedsalich Gusajew, bei einem Bombenanschlag getötet worden. Dagestan grenzt an Tschetschenien, wo Separatisten für die Loslösung von der Russischen Föderation kämpfen. Die Nachrichtenagentur Interfax meldete, das Fahrzeug des Ministers sei explodiert, kurz nachdem er seine Wohnung in der Hauptstadt Machatschkala verlassen habe.

Zwei Männer seien zu dem Wagen gestürmt und hätten auf der Motorhaube die Bombe platziert, meldete die Agentur unter Berufung auf Augenzeugen. Der Fahrer des Ministers habe überlebt und werde von der Polizei verhört.

Bereits 2001 Ziel eines Attentats

Nach Augenzeugenberichten brachten zwei "unbekannte Banditen" eine Magnetbombe auf dem Dach des Dienstwagens des Ministers in Machatschkala an. Gusajew hatte im Sommer 2001 einen Bombenanschlag überlebt. Auf dem Territorium Dagestans sollen sich mindestens hunderttausend Flüchtlinge aus dem benachbarten Tschetschenien aufhalten. Die russische Regierung hatte in den vergangenen Jahren Sondertruppen nach Dagestan geschickt, um gegen Rebellen vorzugehen.

Dagestan ("Bergland") ist flächenmäßig etwa 50.000 Quadratkilometer groß, seine Bevölkerung (rund 1,8 Millionen Menschen) von großer ethnischer Vielfalt. Die Teilrepublik der Russischen Föderation am Kaspischen Meer hat allein zwölf Titularnationen mit eigenen Sprachen und Dutzende kleinerer Volksgruppen. Es herrscht ein geradezu babylonisches Gewirr von Turksprachen, persischen und kaukasischen Sprachen. Drei Viertel des Territoriums der Republik machen Hochgebirgsregionen mit isolierten Tälern aus.

Dagestan grenzt im Westen an Tschetschenien, im Süden an die souverän gewordenen Ex-Sowjetrepubliken Georgien und Aserbaidschan. Hauptnationalitäten sind unter anderen Awaren, Darginen, Lesgier, Kalmüken und Laken. Russen machen nur etwa neun Prozent der Bevölkerung aus. Das Gebiet wurde zu einem der ersten islamischen Einflussgebiete im Kaukasus. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung gehören dem Islam sunnitischer Richtung an. (APA/Reuters)

Share if you care.