Pühringer will Voest-Heimholaktion

30. August 2003, 20:31
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Der OÖ-Landeschef gibt im STANDARD-Interview den Kampf noch nicht verloren, ortet jedoch für den Wahlkampf eine schwierige Wetterlage

Josef Pühringer (VP), Landeshauptmann von Oberösterreich, wahlkämpft in schwieriger "politischer Großwetterlage". Den Kampf um die Voest will er noch nicht verloren geben. Er wäre aber froh über bundespolitische Zurückhaltung im Wahlkampf.

* * *

STANDARD: Welche christlich-soziale Predigt muss sich Bundeskanzler und VP-Obmann Schüssel diesmal beim Wahlkampfauftakt anhören?

Pühringer: Überhaupt keine. Ich werde am Samstag die Positionen der ÖVP Oberösterreich und unser Arbeitsprogramm darstellen. Und das ist christlichsozial, aber kein Angriff gegen den Kanzler.

STANDARD: Beim Parteitag scholten Sie den neoliberalen Kurs der Bundes-ÖVP.

Pühringer: Da ging es darum, Fehlentwicklungen bei der Pensionsreform zu korrigieren. Das ist mir gelungen. Mit der Bundes-VP bin ich zufrieden, wenngleich es immer Gegensätze zwischen Bund und Land gibt. Landesinteressen gehen vor Parteiinteressen. Und die Interessen Oberösterreichs müssen beim Bund scharf vertreten werden, egal wer in der Regierung sitzt.

STANDARD: Aber sie hoffen, dass sich die Bundes-VP im Intensivwahlkampf ruhig verhält?

Pühringer: Ich bin überzeugt, dass der Bundespartei an einem guten Ergebnis in Oberösterreich sehr gelegen ist.

STANDARD: Ihr Wahlziel?

Pühringer: Die 42,7 Prozent von 1997 überschreiten.

STANDARD: Die Voest-Verkaufsgespräche waren da wohl eine entbehrliche "Morgengabe" zum Wahlkampf?

Pühringer: Natürlich ist die politische Großwetterlage durch Pensionsreform und Voest-Geschichte nicht die einfachste. Ich gehe aber davon aus, dass das, was mit Schüssel und Grasser ausgemacht ist, hält.

STANDARD: Die ÖIAG hat aber Dienstag beschlossen, die Voest-Anteile über die Börse zu verkaufen. Was wird jetzt aus dem Landtagsbeschluss (25 % in öffentlicher Hand)? Der Landtag ist ja aufgelöst.

Pühringer: Die ÖIAG hat das Ersuchen des Landtages negiert. Ich werde dafür kämpfen, dass eine österreichisch- oberösterreichische Lösung kommt, wie es mir Bundeskanzler und Bundesregierung zugesagt haben, und zwar eine starke oberösterreichisch-österreichische Lösung. Es müssen möglichst viele Aktien von Wien nach Oberösterreich geholt werden.

STANDARD: Fürchten Sie, dass die SPÖ durch das Voest-Thema Rückenwind verleiht?

Pühringer: Das kommt ganz aufs Ergebnis an. Wenn das stimmt und die Oberösterreicher sehen, es gibt starke oberösterreichische Eigentümer, dann ist den Leuten klar, hier hat der Pühringer was Vernünftiges zustande gebracht und die Voest nach Oberösterreich heimgeholt.

STANDARD: Warum fehlt das VP- Logo auf Ihren Wahlplakaten?

Pühringer: Weil jeder weiß, dass ich ein Schwarzer bin.

STANDARD: Genieren Sie sich in Oberösterreich manchmal für die Bundespartei? Motto: Ja nicht anstreifen vor der Wahl?

Pühringer: Wir genieren uns natürlich nicht, aber wir gehen einen sehr eigenständigen Weg. Es geht nicht um den Bund, es geht um das Land.

STANDARD: Wie geht es Ihnen mit Haider? Sie haben ja quasi die Qual der Wahl: Erich oder Jörg? Wer stresst mehr?

Pühringer: Jörg Haider ist mir relativ egal, der hat in Oberösterreich keine politische Aufgabe. Erich Haider ist mein politischer Mitbewerber, den ich zur Kenntnis nehme. Mich irritiert aber, dass die SPÖ von bisher geübter politischer Kultur abweicht. Etwa wenn Landesrat Ackerl die Regierung in Wien als G’sindel beschimpft oder Haider mich Schüssels Bettvorleger nennt: Das war bisher bei uns nicht Usus.

STANDARD: Das Klima zwischen VP und SP ist in Oberösterreich ja nicht ganz friktionsfrei. Wird es eine Neuauflage geben?

Pühringer: Ich bin Demokrat. Der Wähler verteilt die Gewichte. Wenn wir stimmenstärkste werden, verhandeln wir mit allen - und zwar in der Reihenfolge der Stärke, die der Wähler verleiht. Ich kann mir alles vorstellen und mit jedem Demokraten arbeiten.

STANDARD: Wie cool sind Sie eigentlich? Aus Dr. Joe von 1997 wurde in der aktuellen Jugendkampagne "Daddy Cool".

Pühringer: Ich stehe den Anwürfen politischer Mitbewerber relativ gelassen gegenüber und stelle mich getrost und cool auf die Waage der Demokraten am 28. September. Wir haben gute Arbeit geleistet.

STANDARD: Ministerin Gehrer meint, die Jugend macht zu viel Party und zu wenig Kinder. Was sagt Daddy Cool dazu?

Pühringer: Geht’s ruhig auf die Partys, denkt’s aber dran, das Land braucht auch Kinder. (Der STANDARD, Printausgabe, 27. 8. 2003)

Das Interview führte Lisa Nimmervoll.

Spezial

derStandard.at/ Investor über den Voest-Verkauf

  • "Daddy Cool" Josef Pühringer an Österreichs Jugend: "Geht’s ruhig auf die Partys, denkt’s aber dran, das Land braucht auch Kinder."
    foto: standard/cremer

    "Daddy Cool" Josef Pühringer an Österreichs Jugend: "Geht’s ruhig auf die Partys, denkt’s aber dran, das Land braucht auch Kinder."

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