"Äste verursachten Blackout"

28. August 2003, 14:11
posten

US-Stromfirma nennt dies aber "Fehlinterpretation"

Washington - Ein paar Äste könnten den bisher größten Stromausfall der USA verursacht haben, von dem vor knapp zwei Wochen weite Teile Nordamerikas betroffen waren. Die Herald Tribune berichtete am Montag, nahe Ohio sei Stunden vor dem großen Ausfall eine Überlandleitung der Elektrizitätsgesellschaft FirstEnergie von den Ästen eines Baums zum Durchhängen gebracht worden, wodurch es zu einem Kurzschluss gekommen sei. Laut Tribune-Bericht kam es dadurch zur Überlastung anderer Leitungen, die den Stromtransport übernehmen sollten, in Kettenreaktion wurde ein Kraftwerk nach dem anderen automatisch abgeschaltet.

Verantwortliche der "FirstEnergy" blieben dabei, dass derartige Berichte "Fehlinterpretationen" seien. Man müsse umfangreiche Daten sammeln und analysieren, um sicher festzustellen, was zu dem Blackout geführt hätte.

Sammelklage

Gegen die Stromfirma war bereits vorige Woche eine Sammelklage der Geschädigten eingereicht worden. Darin wird der Gesellschaft unter anderem vorgeworfen, sie habe die Äste, die den Kurzschluss verursacht hatten, nicht zurückgeschnitten.

Inzwischen hat das Electric Power Research Institute eine Studie erstellt, der zufolge eine Aufrüstung des US-Stromnetzes die Verbraucher insgesamt 100 Milliarden Dollar (knapp 91,8 Milliarden Euro) kosten würde. Die Forschungsstelle nannte langjährige Vernachlässigung der Infrastruktur als eigentliche Ursache für den Stromausfall. Derzeit entgingen der US-Wirtschaft wegen der Probleme mit Stromnetzen 100 Milliarden Dollar im Jahr. (AP/DER STANDARD, Printausgabe, 27.8.2003)

Share if you care.