"Wegsperre für Wanderer"

27. August 2003, 21:31
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Neue Kärntner Jagdgesetz lässt den alten Konflikt zwischen Jägern und Wanderern aufflammen

Klagenfurt – Das neue Jagdgesetz sorgt derzeit in Kärnten für heftige Diskussionen. Nach einem zur Begutachtung ausgesandten Entwurf sollen die Schutzzonen um die Futterstellen für das Wild ausgeweitet werden. Derzeit gilt ein Radius von 300 Metern für Wanderer und Biker als tabu. Dieser soll jetzt auf 500 Meter ausgedehnt werden.

Kärntens Tourismuswirtschaft und der Alpenverein sehen in den neuen Bestimmungen für Wanderer das Ende des freien Waldzugangs gekommen. "Das ist ja unvorstellbar. Wenn da ein paar Futterkrippen in einem engeren Umkreis aufgestellt werden, heißt das, dass Wanderwege kilometerlang gesperrt werden können", zeigt sich der Sprecher der Sparte Hotellerie in der Kärntner Wirtschaftskammer, Willi Koska, empört: "Das ist ein heimtückischer Anschlag auf die Urlauber", Grundbesitzer und Jäger wollten sie ja ohnehin schon lange aus den Wäldern aussperren.

Die Jägerschaft wiederum erklärt, mit dem größeren Radius das Wild schützen zu wollen: vor schießwütigen Trophäenjägern, die die hungrigen Tiere – absolut nicht waidgerecht – vor den Futterkrippen abknallen. Denn das komme leider auch immer wieder vor, bedauert Landesjägermeister Ferry Gorton.

Riegel vorschieben

"Mit einem Schussverbot innerhalb dieser ausgeweiteten Schutzzone werde solchen Jagdfrevlern "ein Riegel vorgeschoben", argumentiert der Jägerchef. Die Wanderwege würden selbstverständlich auch weiterhin offen bleiben. Diese seien nämlich im Gesetzesentwurf als "Wege für die Allgemeinheit" definiert, die damit aus den Schutzzonen ausgenommen wären.

Dies wiederum halten Wirtschaftskammer und Alpenver ein für "Jägerlatein". Kämmerer Willi Koska: " Es ist nicht festgelegt, ob markierte Wanderwege dazugehören oder nicht. Daher müsse der Entwurf dahingehend verbessert werden, dass die Rechtslage eindeutig sei: "Sonst kann jeder Jäger und jeder Grundbesitzer hergehen und den Wanderern, ob Touristen oder Einheimischen sagen, verschwindet's hier. So kann es ja wohl nicht sein."

Am Zug ist nun die Kärntner Landesregierung. Im Büro von Jagdreferent Georg Wurmitzer (VP) versucht man zu beruhigen, zumal auch der jüngst in Unterkärnten erfolgte Abschuss eines weißen Hirschen (was der Jagdmythologie zufolge einen fluchbeladenen Tabubruch darstellen soll) – heftige öffentliche Empörung hervorgerufen hat. (Elisabeth Steiner/DER STANDARD,Printausgabe, 27.8.2003)

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