Übertriebene Zuneigung

6. Oktober 2003, 15:54
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Dass intensive Beschäftigung mit einer Materie zuweilen zu einer gewissen Distanzlosigkeit führen kann, ist bekannt ...

... Im ORF-Fernsehen stellte dies früher Heinz Prüller beim Lesen von Niki Laudas oder Gerhard Bergers Gedanken anlässlich zu wechselnder Reifen oder zu passierender Schikanen recht krass unter Beweis.

Auch das deutsche ARD, im Vergleich zu österreichischen Kollegen ein Hort sachlicher Zurückhaltung bei gleichzeitiger Beherrschung der Muttersprache, fiel anlässlich der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Paris leicht von der Rolle. Das Kommentatorenteam Wolf-Dieter Poschmann und Peter Leissl konnte sich montags nur schwer vom scheidenden britischen Dreisprung-Weltrekordler Jonathan Edwards trennen.

Nachdem dieser wegen Knöchelproblemen aufgab, folgten über die ganze Sendezeit verstreut verbale Kniefälle und Tränengeständnisse vor dem Mann, dass, wäre Darmakrobatik eine medaillenwürdige Disziplin, Gold an diese beiden Kommentatoren zu verleihen gewesen wäre.

Übertriebene Zuneigung anderer Art zeigte anschließend das RTL-Magazin Extra: "Feeder", zu Deutsch Mäster, wurden thematisiert. Diese (meist männliche) Neigungsgruppe charakterisiert, dass sie ihre (dicken) Frauen mästet, um sie so in ihrer Abhängigkeit zu halten: Ein Beispiel zeigte ein vor sich hinvegetierendes 374 Kilogramm schweres Elend, dass versuchte, gegen den Willen ihres sie mästenden Gatten abzunehmen. Der war darauf hin von ihr menschlich enttäuscht. Mahlzeit. (flu/DER STANDARD, Printausgabe vom 17.8.2003)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Jonathan Edwards

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