Trockenheit setzt Burgenlands Wäldern zu

26. August 2003, 15:33
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Aufgeforstete Kulturen vertrocknen - Buche und Eiche könnten auf lange Sicht langsam verschwinden

Eisenstadt - Burgenlands Wälder leiden unter der anhaltend trockenen Wetterlage mehr als unter Schädlingsbefall. Seit Jahren erreichten die Niederschlagswerte nur mehr rund 60 bis höchstens 70 Prozent des langjährigen Mittels zwischen 1960 und 1990, so der Forstreferent der Landwirtschaftskammer Burgenland, Ernst Tschida, im APA-Gespräch. Folgen dieser Entwicklung seien nicht nur zum Teil beträchtliche Schäden für die Forstwirtschaft. Geänderte Klimabedingungen könnten in Zukunft auch das Bild des Waldes nachhaltig verändern.

"Problem ist das Wetter"

"Das Problem ist das Wetter und nicht der Borkenkäfer", meint der Forstfachmann. Der Borkenkäferbefall betreffe nur den Fichtenbestand und einen ganz kleinen Teil der Kiefern. "Der Wald heilt so etwas wunderbar aus, wenn es ein Mischwald ist." Im Burgenland sei die Situation "überhaupt nicht dramatisch" und die Schadholzmenge "für den Markt sicherlich keine interessante". Burgenlands rund 125.000 Hektar großen Wälder bestehen etwa zur Hälfte aus Laubholz. In den vergangenen Jahrzehnten seien die Bestände kontinuierlich durch Neuaufforstungen und die Auflassung landwirtschaftlicher Gründe "sicher um einige 10.000 Hektar" gewachsen.

Schaden von hunderttausenden Euro

Probleme durch Trockenheit gebe es, "weil jährlich die ganzen Aufforstungen, die durchgeführt werden, einfach nicht anwachsen", so Tschida. Dadurch entstünde jährlich ein Schaden von hunderttausenden Euro. Wenn in einem Land ohne Höhenlagen wie dem Burgenland auf Dauer anstatt 500 bis 700 Millimeter nur mehr 300 Millimeter Regen pro Jahr fallen, "dann ist die Katastrophe perfekt", so Tschida: "Das wirkt sich auch aus auf die Baumarten, die bei uns heimisch sind und an das Klima sowieso angepasst sind."

Waldbenutzer, die Aufforstungen unternähmen, seien zum Teil schon verzweifelt, "weil Jahr für Jahr die ganzen Kulturen vertrocknen", erzählt Tschida. Dabei handle es sich um hunderte Hektar, die jährlich neu oder wieder aufgeforstet werden.

Verkaufs-Erlös

Bei einer Aufforstung mit Laubholzbäumen liegen die Hektarkosten bei 3.000 bis 4.000 Euro aufwärts, schätzt der Forstreferent. Wenn Bäume wegen Borkenkäferfraß genutzt werden müssten, bleibe immer noch ein Erlös aus dem Verkauf. "Aber wenn die Zukunft des Waldes nicht mehr gesichert ist, weil wir keine Kulturen durchbringen, dann werden wir irgendwann ein Riesenproblem kriegen."

Eine Bedrohung könne sich "insofern abzeichnen, als sich die Holzartenzusammensetzung in unseren Wäldern ändern wird", meint Tschida. Bäume wie die Buche oder die Eiche könnten schön langsam verschwinden. Nur mehr gewisse Baumarten wie Flaumeiche, Feldahorn, Rubinie oder Götterbaum würden dann vermehrt einwachsen. "Das sind aber lauter Baumarten, mit denen man nicht Forstwirtschaft im herkömmlichen Sinn betreiben kann, weil man damit kein Holz erzeugen kann, das für den Sägeverschnitt geeignet ist."

Holzartenzusammensetzung ändern

Auf lange Sicht könnte es möglich werden, dass man die Holzartenzusammensetzung ändern müsse - "oder dass man es der Natur überlässt, dass sich das ändert", so Tschida. Ein Prozess, der "nicht von heute auf morgen" verlaufe. Man könne auch vorbeugen, indem den Leuten schon bei der Aufforstung solche Holzarten empfehle, das sei aber schwer. "Wer wird denn freiwillig Götterbäume, Flaumeichen oder Rubinien setzen, wenn er nicht weiß - ist das jetzt wirklich die Klimaänderung oder ist das nur eine Anomalie des Wetters, die halt ein paar Jahre dauert?"

Die anhaltende Trockenheit wirkt sich auch auf die Qualität des Holzes aus. Die Wassermenge beeinflusse die Struktur der Bäume, erläutert Tschida: In niederschlagsreichen Jahren sind die Jahrringe breiter, in trockenen schmäler. Wechseln die Bedingungen, wächst auch das Holz unregelmäßig und hat Spannungen in sich. (APA)

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