Viele Schulen setzen auf autonome Stundentafeln

15. September 2003, 14:04
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Wegen Schulversuchen - Sonst werden vor allem Stunden verschoben

Wien - Im Frühling hat die Streichung von Unterrichtsstunden zu Unruhe an den Schulen und insgesamt vier Streiktagen an den AHS und Protesten an berufsbildenden Schulen geführt. Mittlerweile hat sich die Lage beruhigt, die Schulen sind mit der Umsetzung der Maßnahme beschäftigt. Zahlreiche AHS verwenden außerdem nicht wie angekündigt ausschließlich die vom Ministerium vorgegebenen subsidiären Stundentafeln, sondern haben sich eigene, autonome Stundentafeln gegeben. Im Bildungsministerium rechnet man damit, dass etwa 80 Prozent aller Hauptschulen, AHS und berufsbildenden Schulen sich einen autonomen Stundenplan gegeben haben.

Im AHS-Bereich sei eine genaue Zahl jener Schulen, die ihre Autonomie bei der Stundenplanerstellung genutzt haben, seriös allerdings kaum eruierbar, meinte Lehrergewerkschafter Azevedo Weißmann gegenüber der APA. Von den rund 330 AHS in Österreich habe etwa die Hälfte in der Oberstufe Schulversuche laufen - um diese zu retten, dürften diese Schulen von den vorgegebenen Kürzungen abgewichen sein und in den für den Schulversuch wichtigsten Fächern Schwerpunkte gesetzt haben.

An den anderen Lehranstalten sei es eher nur zu Verschiebungen innerhalb der Fächer gekommen - also etwa zur Vermeidung von Ein-Stunden-Fächern, so Weißmann. In der siebenten Klasse Gymnasium stehe im vom Ministerium vorgegebenen Stundenplan zum Beispiel nur eine Stunde Geografie auf dem Programm: Das hätten viele als sinnlos empfunden und diese daher in die achte Klasse "verlegt", wo dann drei statt zwei Wochenstunden unterrichtet werden. Ein anderes Beispiel betreffe Latein: Hier stehen laut subsidiärem Stundenplan in der dritten Klasse drei und in der vierten Klasse vier Stunden auf dem Programm - auch dies werde von den Schulen getauscht, da nach Ansicht der Lehrer beim Sprachenlernen eher im ersten Jahr mehr Einheiten unterrichtet werden sollten.

Von ähnlichen Zahlen geht der Verband der AHS-Direktoren aus. Wo schon zuvor mit Schulversuchen Schwerpunkte gesetzt worden seien, hätten die Schulen auch jetzt autonome Stundentafeln erlassen, so die Vorsitzende Margarete Zelfel gegenüber der APA. Als Beispiele nannte sie Informatik- und Musik-AHS. Ansonsten wäre zwischen den Fächern aber nicht verschoben worden - um Streitigkeiten in den Lehrkörpern hintanzuhalten, habe man die subsidiäre Stundentafel des Ministeriums meist "nolens volens angenommen" - obwohl man sie nicht gewollt habe. Auf eine prozentuelle Schätzung wollte sich Zelfel nicht einlassen.

In den einzelnen Bundesländern lässt sich kein einheitlicher Trend ausmachen. Im Wiener Stadtschulrat geht man auf APA-Anfrage davon aus, dass in der Bundeshauptstadt nur ein Viertel der AHS einen autonomen Stundenplan erarbeitet haben, im niederösterreichischen Landesschulrat spricht man wiederum von 100 Prozent der AHS. In Vorarlberg haben elf von 13 AHS eine eigene Stundentafel erstellt. (APA)

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