Fischler kritisiert WTO

31. August 2003, 19:33
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EU-Agrarkommissar fordert mehr ökologischen und sozialen Weitblick der Welthandelsorganisation

Alpbach - EU-Agrarkommissar Franz Fischler (V) hat sich für mehr Fairness und für die Entwicklung neuer, nachhaltiger Strategien bei der Welthandelsorganisation WTO ausgesprochen. "Der Welthandel ist kein Mädchenpensionat", beklagte Fischler bei einer Diskussionsveranstaltung des diesjährigen Forum Alpbach. Und weil die aktuellen Bedingungen in der globalisierten Marktwirtschaft gar so hart seien, dürfe nicht darauf vergessen werden, auch die Sozial- und Umweltkomponente mitzudenken. "Wir tragen eine Verantwortung gegenüber der Zukunft, schließlich sind wir nicht die letzte Generation auf der Welt", warnte Fischler.

Soziale Verantwortung gegenüber Entwicklungsländern

Die internationale Wirtschaftspolitik, und mit ihr die WTO, sollte sich nicht nur auf ureigensten Interessen konzentrieren, sondern auch den ökologischen und sozialen Anliegen der Weltbevölkerung Raum geben. Fischler forderte von den großen Wirtschaftsinstitutionen in diesem Zusammenhang auch die Übernahme einer sozialen Verantwortung gegenüber den Entwicklungsländern. Der Grundsatz "trade and aid" müsse fair umgesetzt werden, auch wenn Organisationen wie EU oder WTO ihre Real-Interessen weiterverfolgten.

Auch die außenpolitische Sprecherin der Grünen im Nationalrat, Ulrike Lunacek, appellierte an die WTO, dem Gewinndenken nicht um jeden Preis den obersten Stellenwert einzuräumen, sondern auch politische und sozialkritische Argumente in ihre Strategien einfließen zu lassen. Ein Standpunkt, der beim Schweizer Carl Baudenbacher, Vorsitzender des EFTA-Gerichtshofes (European Free Trade Association), volle Zustimmung fand.

Kritik an Überkommerzialisierung

Karin Küblböck, Obfrau von ATTAC Österreich, trat dafür ein, dass gewisse Bereiche der Wirtschaft und Gesellschaft trotz des massiven Globalisierungstrends künftig "überkommerziell" bleiben müssten, etwa Bildung, Gesundheitswesen, Umwelt und Wasserressourcen. Man solle hier den Mut aufbringen, Kontrapunkte zur Globalisierung zu setzen und solche Themen im Sinne einer "regionalen Subsidiarität" eigenverantwortlich zu managen. (APA)

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