Hamas-Führung geht in den Untergrund

27. August 2003, 19:16
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Wegen anhaltender "Liquidierungen" Israels

Gaza/Jerusalem - Die militärische und politische Führung der radikalen palästinensischen Hamas-Organisation ist unter dem Eindruck drohender israelischer "Liquidierungen" in den Untergrund gegangen. Nach Berichten aus Gaza vom Dienstag zeigte sich bei der Beerdigung zweier Hamas-Aktivisten am Montagnachmittag bereits kein Anführer mehr in der Öffentlichkeit. Der israelische Verteidigungsminister Shaul Mofaz hat am Montagabend weitere "gezielte Tötungen" angeblicher Terrordrahtzieher angekündigt.

Die israelische Armee hatte am vergangenen Donnerstag den Hamas-Führer Ismail Abu Shanab und zwei Leibwächter im Zentrum der Stadt Gaza durch mehrere Raketen umgebracht. Armeekreise drohten, kein Mitglied der Hamas-Führung könne mehr vor der "Liquidierung" durch Israel sicher sein.

Bereits am Wochenende hatte Hamas-Sprecher Abdelaziz Rantisi bekannt gegeben, die "Bewegung des Islamischen Widerstandes" habe eine alternative Führung etabliert, die aktiviert werde, wenn Israel alle derzeitigen Hamas-Spitzen "gezielt töten" sollte. Nach der Tötung von zwei weiteren Hamas-Aktivisten und zwei Mitgliedern der palästinensischen Polizeitruppe "Force 17" am Sonntag verteilte Hamas in Gaza ein Flugblatt, in dem örtlichen Hamas-Führern Anweisungen gegeben wurden, wie sie Angriffe Israels vermeiden könnten. Danach dürfen die Führungsmitglieder der Gruppe künftig keine Telefone mehr für Kontaktaufnahmen benutzen. Außerdem dürfen sie ihre eigenen Wagen nicht mehr fahren und wurden aufgefordert, Hauptstraßen zu meiden.

Geschichte der Hamas

Die Hamas (Abkürzung für "Bewegung des Islamischen Widerstandes") wurde 1987 zu Beginn des ersten Volksaufstands (Intifada) von Scheich Ahmed Yassin in Gaza gegründet, angeblich mit Unterstützung der israelischen Geheimdienste, die damit das Ziel verfolgten, PLO-Chef Yasser Arafat politisch zu schwächen. Der militärische Flügel "Brigaden Ezzedin el Kassam" hat sich zu einer Reihe von Selbstmordanschlägen bekannt. Der Gründer und geistliche Führer Scheich Yassin war 1997 nach zehnjähriger Haft in Israel auf jordanischen Druck freigelassen worden. Der damalige jordanische König Hussein hatte Yassins Freilassung ultimativ verlangt, nachdem zwei mit gefälschten kanadischen Pässen ausgestattete Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad nach dem gescheiterten Versuch, den Hamas-Führer Khaled Mechaal in Amman zu ermorden, von den jordanischen Behörden festgenommen worden waren. (APA/dpa/AFP/AP)

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