Ein Segelflieger auf der Überholspur

9. Oktober 2003, 14:34
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Internationales Denken, rasches Reagieren auf die Marktentwicklung und eine gute Portion Humor sind seine größten Stärken - Salzburg-AG-Chef Wolfgang Anzengruber ist ab September Vorstandsvorsitzender beim Kranspezialisten Palfinger

"Man muss gute Segelflugeigenschaften besitzen, wenn man als Manager erfolgreich sein möchte", sagt Wolfgang Anzengruber im Gespräch mit dem KARRIERENSTANDARD. Der Oberösterreicher lächelt verschmitzt. Die langfristige Situation eines Unternehmens sei wichtig, sagt er. Und auch, dass man im Management ständig daran erinnert werde, "dass es bergauf gehen" müsse. Eine Bilanz ein- bis zweimal "gut zu machen" sei keine große Kunst; man müsse auch über eine Konjunkturdelle hinwegkommen.

Anzengruber wird in den kommenden Tagen vom Energiebereich (Salzburg AG) in die Privatwirtschaft wechseln. Der gelernte Wirtschaftsingenieur (Maschinenbau und Betriebswirtschaft), der neben seiner Managertätigkeit begeisterter Hobby-Zeitgeschichtler ist, tritt - so sehen es zumindest die Medien - bereits jetzt genau zum richtigen Zeitpunkt an.

Palfinger hofft auf Aufschwung

Wenn der 46-jährige Oberösterreicher am 1. September den Chefposten des österreichischen Kranspezialisten Palfinger übernehmen wird, stehen die Chancen für einen Wiederaufschwung des Geschäfts gut. Die schwache Saison im Vorjahr habe den Salzburgern einen Gewinnrückgang von 42 Prozent beschert und die Aktie auf Talfahrt geschickt. In den ersten sechs Monaten des heurigen Jahres konnten die Umsätze marginal gesteigert werden, das operative und das Konzernergebnis verbesserten sich.

Palfinger stellt Ladekräne her, Hebebühnen und transportable Gabelstapler. Im Segment der auf Lkw montierten Knickarmkräne ist das Unternehmen mit einem Anteil von 30 Prozent Weltmarktführer. Zwischen 1999 und 2001 hat diese Spezialisierung zu operativen Gewinnmargen von zwölf Prozent geführt - dort will Palfinger mit dem neuen Chef wieder hinkommen.

Strategie, Wachstum und Produktentwicklung

Ob ihm der Wechsel vom Energiebereich zum Kranspezialisten schwer falle? Immerhin seien die Produkte grundverschieden. "Nein", sagt Anzengruber. So dürfe man es nicht sehen. "Unternehmensführung ist ja nicht produktspezifisch." Er wolle vor allem die internationale Facette, die er noch aus seiner Zeit bei der Asea Brown Boveri (ABB) kenne, beschleunigen. Und dann legt Anzengruber los: Drei große Ziele habe er sich vorgenommen - Strategie, Wachstum und Produktentwicklung. Es gehe weiters darum, die globale Position des Kranspezialisten auf den vier Kontinenten auszubauen und die Stärken - sie liegen insbesondere in der Entwicklung - voranzutreiben. Weiters sollen internationale Strukturen und Netzwerke in der Entwicklung richtig begleitet werden.

"Ich will mir in den kommenden Wochen zunächst einmal vor Ort ein Bild des Unternehmens machen", plant Anzengruber. Immerhin sei der Kranspezialist Palfinger nicht nur in der EU (Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien sind die Hauptmärkte), sondern auch in Kanada, Australien, Brasilien und in Nordamerika verstärkt tätig, nebst Niederlassungen in Asien (Singapur und Hongkong) und Osteuropa (Marburg, Bulgarien).

Kein Workaholic

Er betrachte sich nicht als Workaholic, sagt Anzengruber. Man kann es kaum glauben, denn seine Karriere verlief zügig: Nach dem Studium bewarb sich Anzengruber 1983 bei den Simmering Graz Pauker Werken (SGP) und begann als Projektmanager für Großkraftwerke. Der damalige Chef des Unternehmens war übrigens kein Geringerer als Klaus Woltron höchstpersönlich - ein künftiger Mentor Anzengrubers. Woltron erkannte die Tüchtigkeit seines "Schützlings" und förderte ihn. Anzengruber wurde Geschäftsführer der SGP-nahen Consultingfirma Systec, spezialisiert auf industrielle Automatisierung. Nach zwei Jahren holte ihn Woltron - mittlerweile Chef von ABB - als Geschäftsführer zur ABB Industrie GmbH.

Nach vier Jahren wurde Anzengruber schließlich Mitglied des Vorstands der ABB Energie AG. 1999 wechselte er als Vorstand zu SAFE Salzburger Stadtwerke AG. Dort war er maßgeblich daran beteiligt, die Salzburg Energie von einem Monopol in die Liberalisierung zu führen. Und so rührte er besonders in den Bereichen Marketing, Vertrieb, Handel und Technik kräftig um. Anzengruber galt auch in seiner Zeit bei Woltron bereits als beinharter Sanierer. Im Interview will er das so aber nicht sehen: "Ich wollte immer ein Organisator sein." Und: "Im Wesentlichen läuft doch im Management vieles mit Hausverstand ab: Wer von anderen kopiert und schemenhaft agiert, kommt nicht weit." Anzengruber ist, und das bekräftigt er mehrmals im Gespräch, ein Teamplayer mit einer guten Portion Selbsteinschätzung, Durchschlagskraft - und mit viel Humor. (Judith Grohmann, DER STANDARD Printausgabe, 23./24.8.2003)

  • Künftiger Palfinger-Chef Anzengruber: "Betrachte mich nicht als Workaholic - Wollte eigentlich immer ein Organisator sein." Im Wesentlichen laufe im Management vieles mit Hausverstand ab
    foto: cremer

    Künftiger Palfinger-Chef Anzengruber: "Betrachte mich nicht als Workaholic - Wollte eigentlich immer ein Organisator sein." Im Wesentlichen laufe im Management vieles mit Hausverstand ab

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