Hisbollah lässt deutschen Vermittler zu gefangenem Israeli

27. August 2003, 06:47
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Möglicherweise Vorbereitung für Gefangenenaustausch

Der deutsche Geheimdienstkoordinator Ernst Uhrlau vermittelt nach Informationen der israelischen Tageszeitung "Haaretz" in der Frage eines Austausches israelischer Geiseln der schiitischen Terrororganisation Hisbollah gegen libanesische Gefangene in Israel. Das israelische Fernsehen hatte am Montagabend noch ohne Namensnennung berichtet, der deutsche Vermittler habe die Geisel Elhanan Tennenbaum getroffen und einen "zufrieden stellenden" Gesundheitszustand feststellen können. Die Hisbollah betrachtet den von ihr im Oktober 2000 im Libanon verschleppten 57-jährigen Geschäftsmann und Luftwaffenoberst der Reserve als Agenten des israelischen Geheimdienstes.

Der israelische Außenminister Silvan Shalom sagte in einem Rundfunkinterview, es gebe einen "Hoffnungsschimmer" in der Angelegenheit, der die israelische Seite "hoffentlich nicht täuschen" werde. Israel hatte als vertrauensbildende Maßnahme der Überführung der Leichen von zwei Hisbollah-Kämpfern in den Libanon zugestimmt, die unter Vermittlung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) am Montag erfolgt ist.

Hisbollah-Chef Scheich Hassan Nasrallah hatte sich am Samstag optimistisch zur Frage eines Gefangenaustausches mit Israel geäußert und erklärt, es werde bald eine Lösung geben. Die Hisbollah verlangt die Freilassung von Abdel Karim Obeid und Mustafa Dirani. Der libanesische Schiitenführer Obeid war 1989, Dirani 1994 von israelischen Kommandos aus dem Libanon entführt worden. Die beiden Männer sitzen ohne Gerichtsverfahren in israelischen Hochsicherheitsgefängnissen.

Außer Tennenbaum hat die Hisbollah seit 2000 noch drei israelische Soldaten in ihrer Gewalt, die von der israelischen Armee inzwischen für tot erklärt worden sind. Neben dem deutschen Bundesnachrichtendienst hatte sich auch Österreichs seinerzeitiger Verteidigungsminister Herbert Scheibner bemüht, einen Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hisbollah herbeizuführen.

Zu Jahresbeginn soll die israelische Regierung noch aus Wahlkampfgründen einen von Deutschland vermittelten Gefangenenaustausch mit der Hisbollah abgelehnt haben. Ende 1999 waren durch deutsche Vermittlung fünf gefangene Hisbollah-Angehörige aus Israel mit einer Lufthansa-Maschine über Frankfurt am Main nach Beirut gebracht worden. (APA/AP)

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