ÖBB-Chef: Signal der Vernunft

27. August 2003, 16:14
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Überstundenboykott würde Unternehmen ernsthaft beschädigen

Wien - Als "erstes Signal der Vernunft" bezeichnete ÖBB-Generaldirektor Rüdiger vorm Walde den vorläufigen Verzicht der Eisenbahnergewerkschaft auf gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen in Form eines Überstundenboykotts. Bei der angedrohten Nichtleistung von Überstunden würde das Unternehmen ÖBB erheblich geschädigt, sagte Vorm Walde zur APA.

Vorstand möchte etwas Positives

Sein Ideal wäre, dass die Kontrahenten in Sachen ÖBB-Reform "über das Säbelrasseln" zusammenfinden und "etwas Positives zustande kommt". Der ÖBB-Vorstand werde morgen Dienstag ein Gespräch bei Staatssekretär Helmut Kukacka (V) haben und am Donnerstag ein weiters Gespräch bei Verkehrsminister Hubert Gorbach (F). Man könne "nicht einfach Dinge übertragen".

Vorm Walde erwartet "sicherlich noch eine Diskussion um die Holding". Es gehe ihm darum, in der künftigen ÖBB-Holding Aufgaben der einzelnen Unternehmensbereiche zu bündeln, die dann als AG oder GmbH firmieren sollen. Diese drei tragenden Säulen (Infrastruktur, Güter- und Personenverkehr) hätten aber überlappende Geschäftsbereiche, die es "zum Optimum des Konzerns" zu organisieren gelte. Das könne man mit einer Holding als AG und mit drei GmbHs oder AGs machen.

Bei operativen AGs müssten deren Vorstände gemäß Aktienrecht eigenverantwortlich agieren, während bei GmbHs die Geschäftsführer gegenüber der Holding weisungsgebunden seien. In Deutschland habe man bei der Bundesbahnreform die Rechtsform der Aktiengesellschaft gewählt, die Praxis zeige aber, dass bei der DBAG die Rechtsform egal sei.

ÖBB nicht schlecht aufgestellt

Die ÖBB bezeichnete Vorm Walde als "nicht schlecht aufgestellt", doch sei sie "dem Wettbewerbsgedanken nach noch zu sehr ein Staatsbetrieb". In Europa finde mit der Bahnliberalisierung jetzt ein Kostenwettbewerb zwischen den Bahngesellschaften statt, bei dem die "alten Staatsbahnen" nicht mehr mithalten könnten.

Bei der Neuorganisation verlangt Vorm Walde, dass die ÖBB, die bis 2010 rund 12.000 Mitarbeiter - davon 7.000 über "natürlichen Abgang" - abbauen sollen, eine staatliche Entschädigungszahlung erhalten, die der Gehaltsdifferenz zwischen ASVG-Niveau und (höherem) ÖBB-Niveau entspricht. Diese Gehaltsdifferenz bezifferte vorm Walde mit 550 Mio. Euro pro Jahr, die sukzessive bis 2010 auf Null abgebaut würden.

In Deutschland sei man mit der DBAG Arbeit (Personalgesellschaft für "überzählige" Eisenbahner) einen vergleichbar "vernünftigen Weg" gegangen. (APA)

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