Kommentar: Kostenposten

29. August 2003, 09:19
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Nicht zuletzt vom Eigentümer Staat bekommen die Eisenbahner dieser Tage vermittelt, sie seien nichts anderes als Kostenposten - Kommentar von Günther Strobl

Die Eisenbahner sind stinksauer. Seit Monaten stehen sie am Pranger, werden als Tachinierer und Privilegienritter hingestellt, deren sehnlichster Wunsch nichts anderes sei, als möglichst schnell in die Pension zu entschwinden. Nicht zuletzt vom Eigentümer Staat bekommen die Eisenbahner dieser Tage vermittelt, sie seien nichts anderes als Kostenposten. Kein Wunder, dass die Motivation der 47.000 ÖBB-Beschäftigten sich im Eilzugtempo gegen null einbremst.

Das System Bahn kostet in der Tat ein Heidengeld. Etwa 4,4 Milliarden Euro macht der Staat jährlich locker, um die Pensionen zu zahlen, den Erhalt und Ausbau des Schienennetzes zu gewährleisten und Tarife für Schüler und Pendler zu stützen. Pro Kopf und Nase sind das 580 Euro im Jahr. Gleichzeitig wird aber verschwiegen, wie viel Geld in den Straßenausbau fließt. Allein für die Erhaltung und den Ausbau des Autobahn- und Schnellstraßennetzes zahlt jeder erwachsene Österreicher bis hin zum Baby 1050 Euro pro Jahr - indirekt über Steuern und direkt über Maut und Vignettenpreise. Umwelt- und Unfallfolgekosten sind dabei noch gar nicht berücksichtigt.

Im Gegensatz zur Bahn wird die Autobahngesellschaft Asfinag aber nicht ständig geprügelt. Sie gilt als cool, zumal sie demnächst auch den Lkw mittels elektronischer Kilometermaut stärker zur Kasse bitten wird. Eine ähnliche Chance sollte man auch der Bahn und ihren Mitarbeitern geben. Statt zu überlegen, wo Jobs und damit Kosten eingespart werden können, sollten sich Vorstand, Eigentümervertreter und Mitarbeiter zusammensetzen und gemeinsam überlegen, auf welche Weise die Bahn zusätzliche Kunden gewinnen könnte. Dienst nach Vorschrift ist nichts Schlechtes, sofern die Arbeit mit Herz und Hirn gemacht wird. Aber ohne Motivation geht da gar nichts.

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