Bitte, neue Sieger!

6. Oktober 2003, 15:55
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Ein Finne hat am Samstag vor heimischem Publikum die 4. Weltmeisterschaft im Handy-Weitwurf für sich entschieden ...

Es ernährt sich der Selbstwert eines Landes - mitunter fatalerweise - auch vom Sport und dessen Stars; stolzgeschwellt muss denn auch zurzeit die finnische Landesbrust sein. Schließlich hat ein Landsmann am Samstag vor heimischem Publikum die 4. Weltmeisterschaft im Handy-Weitwurf für sich entschieden.

In der Königsdisziplin "Klassischer Weitwurf" setzte sich Samu Santala mit 66,62 Metern in Savonlinna gegen die Konkurrenz durch. Die Finnen müssen ein Land der Werfer sein! Santala verpasste dabei nämlich den im vergangenen Jahr aufgestellten Weltrekord seines Landsmannes Petri Valta. Um nur zehn Zentimeter.

TV-mäßig blieb das Ereignis eine Randerscheinung. Nur zufällig schnappten wir irgendwo einen Beitrag auf, was schade ist, denn erstens existiert etwas nur, wenn es auch im TV üppig dargestellt wird. Und zweitens leben wir in einer Zeit, da das Fernsehen bestrebt ist, Sieger und damit Stars am laufenden Band zu produzieren, sich dabei aber uninspirierterweise vor allem auf den singenden Teil der Menschheit konzentriert.

So gehen zahllose Talente wie eben Santala oder Weltrekordhalter Valta der Öffentlichkeit verloren, und wir leiden an einer TV-Starmonokultur. Hier wäre auch für den ORF Innovationspotenzial. Statt die Stimmbänder ehrgeiziger Bevölkerungsschichten zu strapazieren, sollte der ORF herumschauen, ob es nicht irgendwo im Lande eine schmollende Mozartkugel-oder Sachertorten-Weitwurf-WM gibt, die interessante Siegerpersönlichkeiten gebiert. (tos/DER STANDARD; Printausgabe, 26.8.2003)

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    foto: photodisc
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