Alles in Creme fraîche bei der Sozialdemokratie

27. August 2003, 18:11
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Versteckter Ärger über Feinspitz Gusenbauer

Wien - Offiziell ist in der SPÖ alles eitel Wonne. Bundesparteichef Alfred Gusenbauer habe die Partei im Griff, alle Umfragen entsprächen dem anhaltenden meteorologischen Hoch, und vor den Landtagswahlen brauche man sich nicht zu fürchten: In Oberösterreich werde die SPÖ zulegen, in Kärnten habe man die FPÖ überflügelt, und auch sonst wehe der Wind in den Bundesländern der schwarz-blauen Koalition ins Gesicht.

Intern ist die Stimmung aber lange nicht so entspannt wie nach außen demonstriert. Vor allem Gusenbauers jüngstes Bekenntnis zu Gaumen-und Sinnenfreuden hat sich einigen schwer auf den Magen gelegt - nicht aus Abneigung gegen den Hedonismus, sondern aus simplen strategischen Überlegungen. Nach der österlichen Erfahrung seiner "Winzergeschichte" habe Gusenbauer wieder ein "Mittelschicht-Signal" gesetzt, das keines sei, ärgert sich ein Parteistratege: "Die Hochzeit des Hedonismus ist doch vorbei, überall liest man, wie sehr die Leute sparen und von neuer Bescheidenheit. Die Leute sind durch die Pensionsreform extrem verunsichert, da ist es eben ungeschickt, solche Signale zu setzen."

Aber nicht nur das quält die Genossen. Mit der Umarmung Jörg Haiders habe Gusenbauer einen Scheintoten im Kärntner Wahlkampf wieder zum Leben erweckt, heißt es dort hinter vorgehaltener Hand. Der komfortable Umfrage-Vorsprung vom Frühsommer, als die SPÖ zehn Prozentpunkte vor der FPÖ lag, sei jedenfalls verspielt. Und aus der Wiener SPÖ wird bemängelt, dass der wahrscheinliche Präsidentschaftskandidat Heinz Fischer sich noch ziere, während sein möglicher Kontrahent Erwin Pröll sich medial bereits als kommender Mann in der Hofburg präsentiere. (kob/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.8.2003)

SPÖ-Chef Gusenbauer im jüngsten Format: "Wieso sollte es mich stören, dass ich als Genussmensch gelte? Das ist eine Frage der Lebenseinstellung. Ich verstehe das Leben so, dass man sowohl Dinge macht, die einem wichtig sind aber auch solche, die einem Freude machen. Alles, was man macht, soll man so gestalten, dass man dabei auch Lust und Freude empfinden kann. Ich gehöre nicht zur leidenden Sorte." Die Sozialdemokratie ist "die Beweung, die die Voraussetzungen dafür schafft, dass immer mehr Menschen Lust am Leben empfinden können."
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