"Es geht nicht nur um das Kindergebären"

25. August 2003, 17:33
posten

Gehrer-Aussagen sorgen auch weiterhin für Kopfschütteln

Wien - Mit ihren Aussagen zur Familienpolitik sorgt Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) für Kopfschütteln bei Opposition und Interessensvertretern. Gehrer hatte sich am Wochenende für eine "Wertediskussion" gegen das "Single-Leben" und für das Kinderkriegen ausgesprochen. "Familienfreundlichkeit lässt sich nicht verordnen", meinte dazu am Montag Johannes Fenz, Präsident des Katholischen Familienverbandes (KFÖ), zur Kathpress. Er verlangt bessere Rahmenbedingungen für Familien.

Unter anderem spricht sich Fenz für die Erweiterung der Betreuungsmöglichkeiten aus: "Es geht nicht nur um das Kindergebären, sondern darum, dass Eltern auch Betreuungseinrichtungen in Anspruch nehmen können, ohne dass sie in Armut abgleiten." Eine hohe Geburtenrate gebe es im OECD-Vergleich besonders in Ländern, wo die Unterschiede bei den Beschäftigungsquoten von Männern und Frauen gering seien. ÖGB-Frauenvorsitzende Renate Csörgits (S) fordert "flächendeckende Kindergärten und Ganztagsschulen".

Ähnlich auch Grünen-Sprecher Alexander Van der Bellen: "Für viele junge Menschen stellt sich die Frage, ob sie sich Kinder finanziell leisten können. Für Frauen geht es darüber hinaus um ihre beruflichen Zukunfts- und Karriereaussichten." Gehrer empfiehlt Van der Bellen angesichts ihrer "falschen Entscheidungen" im Bildungsbereich, "Politik für junge Menschen ernsthaft anzugehen", anstatt "pauschal die Generation der Jungen abzuqualifizieren". Für den Vorsitzenden der Jungen Generation der SPÖ, Hannes Schwarz, hat Gehrer "keine Ahnung von der Jugend".

Lediglich ÖVP-Familiensprecherin Ridi Steibl rückte zur Verteidigung ihrer Parteifreundin Gehrers aus und attackierte die Opposition: Die Wertediskussion über künftige Familienkonstellationen müsse forciert werden. Eine sachliche Diskussion sei mit SPÖ und Grünen aber nicht möglich. "Hätten sich unsere Großeltern und Eltern in den schlimmen Zeiten des Krieges und der Nachkriegszeit dieselbe Frage wie Alexander Van der Bellen gestellt, ob sie sich Kinder leisten könnten, sehe die demographische Entwicklung heute wohl signifikant anders aus", glaubt Steibl. (APA)

Share if you care.