Maier bei Hunderstel-Krimi vor Eberharter

9. Jänner 2000, 19:12

Auf der Abfahrt von Chamonix landeten sieben Österreicher den ersten acht

Chamonix - Hermann Maier begann am Samstag das neue Ski-Jahrtausend so, wie es sich für ihn gehört: Mit einem Sieg. Der "Herminator" triumphierte bei der Abfahrt in Chamonix und sorgte damit für den ersten österreichischen Sieg auf der Kandahar-Strecke. Zudem führte Maier bei seinem sechsten Abfahrts-Erfolg einen weiteren österreichischen Triumph an: Stephan Eberharter belegte nur fünf Hundertstel zurück Platz zwei, Hannes Trinkl sorgte für einen ÖSV-Triple-Sieg. Nur Kristian Ghedina sprengte als Vierter die Phalanx der Österreicher, die sieben Läufer unter die ersten Acht brachten.


Abschwingen, Jubeln, Winken:
Ein Arbeitstag im Leben des Hermann Maier

Die Österreicher brachten also ein Mal mehr das Kunststück zu Wege, den auf Grund seiner starken Trainingsfahrten als Topfavorit ins Rennen gegangenen Ghedina zu schlagen. Intensives Video-Studium war ein Hauptthema der Österreicher am Vorabend des Rennens, dieses hat sich ausgezahlt. Und auch der Italiener musste bekennen: "Heute haben die Jäger gewonnen."

Erster Sieg im neuen Jahrtausend

Der Oberjäger war ein Mal mehr Hermann Maier, der mit seinem Sieg auch sein Versprechen von Saalbach eingelöst hat: "Wenn ich schon nicht das letzte Rennen im alten Jahrtausend gewinne, dann hole ich mir halt das erste im neuen", hatte er damals gesagt. Und im Hundertstel-Krimi auf der Kandahar-Piste setzte er diese Ankündigung in die Tat um.

Am totalen Limit

Mit Saisonsieg Nummer sechs erhöhte Maier sein Konto auf 24 Erfolge und zog damit in der ewigen Bestenliste mit Gustav Thöni und Peter Müller gleich. Dabei, so meint der 27-Jährige, hat seine Form in der Weihnachtspause ein wenig gelitten. "Ich bin nicht mehr so gut drauf wie in den USA, es geht nicht mehr so leicht und spielerisch", bekannte Maier. Er war auch der Einzige, der keine Anleihen bei der Linie von Ghedina genommenhatte: "Der fährt doch eine ganz andere Technik als ich, da kann ich mir ohnehin nichts abschauen. Aber ich bin ganz einfach am totalen Limit gefahren, auch wenn ich nie in Sturzgefahr war."

Sieg durch Technik

Maier fuhr seinen Sieg im technisch schwierigen Teil heraus. "Wobei mir ein kleiner Fehler unterlaufen ist, aber im unteren Teil war es sehr gut." Dieser untere Teil wurde zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Maier und Eberharter, von Zwischenzeit zu Zwischenzeit änderte sich der Zeitunterschied kaum. Und ein weiteres Mal musste Eberharter Maier den Vortritt lassen. Einerseits betrachtete der Tiroler Platz zwei wegen des knappen Rückstands "mit einem weinenden Auge", andererseits war er mit seiner Leistung auf Grund der Umstände hochzufrieden. "Im letzten Training bin ich noch gestürzt und habe mir die Linie erst im Rennen suchen können. Und außerdem hatte ich noch nie so eine gute Abfahrts-Saison wie in diesem Jahr."

Starke ÖSV-Truppe

Eberharter lag vor Hannes Trinkl, der seine starke Form ein weiteres Mal unter Beweis stellte. "Natürlich bin ich mit dem Stockerlplatz zufrieden, schon weil der Abstand sehr klein ist. Aber zumindest haben wir mit vereinten Kräften den Ghedina in den Griff bekommen", sagte der Oberösterreicher. Das Geheimnis dafür kannte Hans Knauß, der im oberen Teil noch in Führung gelegen war, im Flachen aber eine andere Linie wählte ("Ich dachte, ich wär oben schlecht gewesen und wollt' riskieren") und damit Sechster wurde: "Ich hab's schon nach dem Training gesagt: Der Kristian hat das Hirn heute eingeschaltet, wir unseres aus."

Punkte für Neulinge

Neben Pepi Strobl (5.) kamen auch noch Knauß, Andreas Schifferer (7.) und Fritz Strobl (9.) in die Top Ten, die Werner Franz (11.) und Peter Rzehak (12.) nur knapp verpassten. Bei diesem mannschaftlichen Triumph ging fast unter, dass auch der Nachwuchs auf sich aufmerksam machte. Denn Andreas Buder und Klaus Kröll, ihres Zeichens Junioren-Weltmeister, holten bei ihrem Weltcup-Debüt als 28. und 30. jeweils Weltcup-Punkte. Und das auf einer Abfahrt, auf der sich die Stärksten durchsetzten.


Chamonix - Endstand der Herrenabfahrt:


1. Hermann Maier AUT 2:00,51 99.866 km/h
2. Stephan Eberharter AUT 2:00,56 +0,05 + 1.39 m
3. Hannes Trinkl AUT 2:00,68 +0,17 + 4.71 m
4. Kristian Ghedina ITA 2:00,88 +0,37 + 10.23 m
5. Josef Strobl AUT 2:00,95 +0,44 + 12.16 m
6. Hans Knauß AUT 2:01,15 +0,64 + 17.66 m
7. Andreas Schifferer AUT 2:01,20 +0,69 + 19.03 m
8. Kenneth Sivertsen NOR 2:01,93 +1,42 + 38.93 m
9. Fritz Strobl AUT 2:02,04 +1,53 + 41.91 m
10. Kjetil-Andre Aamodt NOR 2:02,29 +1,78 + 48.66 m
11. Werner Franz AUT 2:02,31 +1,80 + 49.20 m
12. Peter Rzehak AUT 2:02,48 +1,97 + 53.77 m
13. Didier Cuche SUI 2:02,59 +2,08 + 56.72 m
14. Bruno Kernen SUI 2:02,60 +2,09 + 56.99 m
15. Paul Accola SUI 2:02,80 +2,29 + 62.34 m
. Christian Greber AUT 2:02,80 +2,29 + 62.34 m
17. Claude Cretier FRA 2:02,83 +2,32 + 63.14 m
18. Luca Cattaneo ITA 2:03,02 +2,51 + 68.21 m
19. Peter Runggaldier ITA 2:03,09 +2,58 + 70.07 m
20. Ed Podivinsky CAN 2:03,13 +2,62 + 71.13 m
21. Alessandro Fattori ITA 2:03,15 +2,64 + 71.66 m
22. Lasse Paulsen NOR 2:03,24 +2,73 + 74.05 m
. Antoine Deneriaz FRA 2:03,24 +2,73 + 74.05 m
24. Darin McBeath CAN 2:03,35 +2,84 + 76.97 m
25. Patrik Järbyn SWE 2:03,49 +2,98 + 80.67 m
. Jürg Grünenfelder SUI 2:03,49 +2,98 + 80.67 m
27. Erik Seletto ITA 2:03,51 +3,00 + 81.20 m
28. Daron Rahlves USA 2:03,65 +3,14 + 84.89 m
. Andreas Buder AUT 2:03,65 +3,14 + 84.89 m
30. Klaus Kröll AUT 2:03,72 +3,21 + 86.74 m

Weiter:

40. Norbert Holzknecht AUT 2:04,22 +3,71 + 99.84 m
41. Roland Assinger AUT 2:04,23 +3,72 +100.10 m


HERREN-ABFAHRT (nach 5 Rennen): 1. Hermann Maier AUT 380 2. Kristian Ghedina ITA 322 3. Stephan Eberharter AUT 280 4. Andreas Schifferer AUT 239 5. Josef Strobl AUT 232 6. Hannes Trinkl AUT 191 7. Fritz Strobl AUT 159 8. Hans Knauß AUT 148 9. Ed Podivinsky CAN 139 10. Werner Franz AUT 131 weiter: 16. Christian Greber AUT 69 30. Roland Assinger AUT 26 33. Peter Rzehak AUT 22 49. Andreas Buder AUT 3 52. Klaus Kröll AUT 1.

(APA)

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