Aktionstag gegen deutschen Kulturabbau

29. August 2003, 11:38
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Bühnen unterbrechen Vorstellungen am 3. Oktober und verlesen Resolutionen - Schlechte Konjunkturelle Lage bewirkt Zuschauerrückgang

Köln/Dresden - Am Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober) soll es auf deutschen Bühnen eine bundesweite Aktion gegen Kulturabbau geben. Das kündigte der Vorsitzende der Intendantengruppe im Deutschen Bühnenverein und Intendant des Staatsschauspiels Dresden, Holk Freytag, am Montag in Dresden an. "An diesem Abend sollen die Stücke unterbrochen und Resolutionen verlesen werden", sagte Freytag. Anlass sei der zehnte Jahrestag der Schließung des Schillertheaters Berlin. In Dresden steht an jenem Abend Goethes "Torquato Tasso" auf dem Programm. "Das Stück stellt die Frage nach dem Stellenwert von Kultur".

Thematische Anpassung der Spielzeit in Dresden

Die große Dresdner Bühne werde trotz knapper Kassen den Spielbetrieb nicht einschränken. "Wir werden in dieser Spielzeit nicht nur mit dem "Tasso" die Frage nach der Kultur stellen, sondern mit Brechts "Leben des Galilei" auch die Rolle von Wissenschaft in der Gesellschaft thematisieren", sagte er. Die Aufführung der Tragödien-Trilogie "Orestie" von Aischylos solle den Zustand der Demokratie hinterfragen. "Die Utopie bleibt auch weiterhin dem Theater vorbehalten", sagte Freytag.

Das Staatsschauspiel bringt in der Saison 2003/04 insgesamt 18 neue Inszenierungen auf die Bühne. In den vergangenen sechs Wochen wurde das Haus auf den technischen Stand gebracht, den es vor der Hochwasserkatastrophe im August 2002 hatte. Barrikaden und Schotts sollen das Theater künftig gegen eindringende Fluten sichern. Eine spezielle Notstrom-Anlage für 1,7 Millionen Euro soll im November fertig sein. Der Freistaat Sachsen stellte für die Bewältigung der Hochwasserschäden rund 12 Millionen Euro bereit.

Zuschauerrückgang an deutschen Theatern

Den deutschen Theatern machen weniger Zuschauer und steigende Kosten zu schaffen. Die Zahl der Besucher sank für die Spielzeit 2001/2002 im Vergleich zum Vorjahr um knapp 1,5 Prozent, teilte der Deutsche Bühnenverein am Montag in Köln mit. Jede Theaterkarte in Deutschland wurde vom Staat mit durchschnittlich 96 Euro bezuschusst, eine Steigerung von gut fünf Prozent. Die Theater erwirtschafteten 16,1 Prozent ihrer Einnahmen selbst. Das lässt sich nach Ansicht des Bühnenvereins kaum noch steigern.

Insgesamt besuchten 35 Millionen Zuschauer Theater und Konzerte. Orchester verzeichneten gegen den Gesamttrend 3,9 Prozent mehr Publikum. Die Kosten stiegen um 57 Millionen Euro auf 2,3 Milliarden Euro. Die Zuschüsse von Ländern und Gemeinden wuchsen um 53 Millionen Euro auf 2,1 Milliarden Euro. 179 Stellen wurden gestrichen. "Theater und Orchester können sich nicht von der gesamtwirtschaftlichen Situation abkoppeln; die konjunkturelle Lage wirkt sich zwangsläufig auch auf Kulturbetriebe aus", sagte Rolf Bolwin, der Direktor des Deutschen Bühnenvereins.

Subventionsverteilung

Die öffentlichen Subventionen je Zuschauer lagen in Thüringen mit 119 Euro am höchsten, gegenüber 81 Euro in Rheinland-Pfalz. Je nach Genre blieben bis zu einem Drittel der Plätze unbesetzt. In den Schauspielhäusern lag die Auslastung bei 68 Prozent, in Musicalvorstellungen bei 75 Prozent und in Kinder- und Jugendtheatern bei 80 Prozent. In Deutschland bieten 151 öffentliche und 216 private Theater, 40 Konzertorchester und 37 Festspielhäuser ihr Programm an.

Die Personalkosten stiegen in der vergangenen Saison auf 1,9 Milliarden Euro, die Sachkosten auf 447 Millionen Euro. Die Zahl der Aufführungen stagnierte bei knapp 63 000. Der Bühnenverein wertete es aber als Erfolg, dass die Neuinszenierungen trotz der knappen Mittel um gut fünf Prozent auf 2493 zunahmen. (APA/dpa)

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    foto: deutscher bühnenverein

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