Vor Sechser-Gesprächen in China

25. August 2003, 19:41
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Gedämpfte Hoffnungen zu möglicher Beendigung des nordkoreanischen Atomprogramms

Peking/Moskau - Vor Beginn der Sechser-Gespräche über eine Beendigung des nordkoreanischen Atomprogramms haben Teilnehmer am Montag zu hohe Erwartungen gedämpft. Russlands Vizeaußenminister Alexander Losjukow verwies bei seiner Ankunft in Peking auf "starre Haltungen", zeigte sich jedoch "vorsichtig optimistisch". Die Aussichten auf eine Einigung seien aber "sehr gering", sagte Losjukow gegenüber Interfax. Südkoreas Vizeaußenminister Lee Soo Hyuck sagte, alle wären schon "glücklich", wenn am Ende der Termin für die nächste Runde festgelegt würde.

Wie die "Korea Times" weiter berichtete, wird Lee Soo Hyuck zu Beginn der dreitägigen Gespräche am Mittwoch im chinesischen Staatsgästehaus in Peking als Gegenleistung für einen Verzicht auf Atomwaffen voraussichtlich umfassende Wirtschaftshilfe für Nordkorea in Aussicht stellen. Nach den Delegationen Japans, Russlands, Südkoreas und der USA wurde als letzter Teilnehmer am Dienstag auch Nordkoreas Vizeaußenminister Kim Yong-Il in Peking erwartet.

Wichtiger Schritt

China sieht in den Gesprächen einen wichtigen Schritt zu einer friedlichen Lösung der Nuklearfrage, wie das Außenministerium sagte. Auch die USA haben geringe Erwartungen und würden eine Vereinbarung, sich bald wieder zu treffen, als Fortschritt bewerten, zitierte die "Washington Post" Regierungsbeamte. Nach ersten Gesprächen im April zwischen Nordkorea, den USA und China war Pjöngjang Ende Juli auf den US-Wunsch eingegangen, die Zahl der Teilnehmer zu erweitern. Doch sahen Beobachter dadurch auch neue Schwierigkeiten.

"Es ist immer schwieriger zu verhandeln, wenn mehr Leute an den Tisch gesetzt werden", sagte der Asien-Experte Kenneth Lieberthal, der unter Präsident Bill Clinton an den 14-monatigen Verhandlungen über das Rahmenabkommen 1994 beteiligt war, das Nordkorea mit der Wiederaufnahme seine Atomprogramms aufgekündigt hatte. Japan, Südkorea, China und Russland seien sich zwar mit den USA einig, dass sie keine Atomwaffen in Nordkorea sehen wollten, doch seien ihre einzelnen Interessen hinsichtlich Nordkorea "nicht identisch".

Forderungen

So berichteten japanische Quellen, dass bei den Atomgesprächen auch das Problem der von nordkoreanischen Agenten entführten Japaner angesprochen werden soll. Pjöngjang fordert für eine Aufgabe seines Atomprogramms unter anderem einen formellen Nicht-Angriffspakt mit den USA, eine Normalisierung der Beziehungen und damit auch Streichung von Sanktionen sowie Wirtschaftshilfe. Die USA haben deutlich gemacht, dass sie Nordkorea nicht dafür belohnen wollen, dass es seine früheren Zusagen über ein Einfrieren seines nuklearen Programms gebrochen hat.

Russland werde sein Möglichstes tun, damit die koreanische Halbinsel atomwaffenfrei bleibe, sagte Losjukow vor seiner Teilnahme an Vorbereitungsgesprächen. Diplomaten verwiesen Interfax zufolge auf die vorangegangene Nordkorea-Krise in den Jahren 1993 und 1994, die in 18 Monate dauernden Verhandlungen gelöst worden sei. 1994 hatten sich die USA und Nordkorea auf ein Abkommen geeinigt, in dem Nordkorea auf sein Atomprogramm verzichtet und im Gegenzug Energielieferungen erhielt. Der Reaktor Yongbyon wurde stillgelegt und von Inspektoren der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) kontrolliert.

Hintergrund

Im neuerlichen Atomstreit wies Nordkorea die IAEA-Inspektoren aus, kündigte den Atomwaffensperrvertrag auf und fuhr den stillgelegten Atomreaktor wieder an. Die USA werfen Nordkorea vor, atomwaffentaugliches Plutonium herzustellen. Sie befürchten eine atomare Bedrohung ihrer Verbündeten und eine Destabilisierung in der gesamten Region. US-Präsident George W. Bush hatte Nordkorea mit dem Iran und dem Irak unter Präsident Saddam Hussein als "Achse des Bösen" bezeichnet. (APA/dpa/Reuters)

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    Das erste Mal seit sieben Monaten legte die nordkoreanische Fähre "Mangyongbong-92" am Montag wieder in Niigata (Japan) an - zwei Tage vor Beginn der Sechser-Gespräche.

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