Dokumentation "Ohne jede Chance. Der Fall Semperit" erschienen

27. August 2003, 19:12
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Letzter Reifen fiel vor mehr als einem Jahr vom Produktionsband

Traiskirchen - Bei Semperit Traiskirchen ist am 19. Juli 2002 der letzte Reifen vom Produktionsband gefallen. Mehr als ein Jahr später liegt nun eine Dokumentation unter dem Titel "Ohne jede Chance. Der Fall Semperit" vor, die am Montag präsentiert wurde. Autoren des im ÖGBverlag erschienenen Buches sind der Journalist Manfred Bauer, Arbeiterbetriebsratschef Alfred Artmäuer und der ehemalige Vorsitzende des Angestelltenbetriebsrates, Julius Böheimer.

Neben einer kurzen Unternehmensgeschichte konzentriert sich "Der Fall Semperit" auf die Ereignisse rund um den Verkauf des Werkes an den Conti-Konzern und die folgende Entwicklung. Zentrale Themen sind die sukzessive Auflassung des Standortes, die Betriebsratspolitik der vergangenen Jahre, Rettungsinitiativen und Alternativprojekte sowie die Rolle der Politik. Die Entwicklung bei Semperit könne freilich nicht losgelöst von der internationalen Wirtschaftspolitik betrachtet werden, sagte Johannes Richarz, Direktor des ÖGBverlages. "Am Beispiel der Conti-Unternehmenspolitik wird der Fall Semperit zum Paradebeispiel für neoliberale Politik mit all ihren Fehlentwicklungen und Konsequenzen für ganze Regionen."

"Vergebliches Bemühen"

Bei der Buchpräsentation anwesend waren u.a. Bürgermeister Fritz Knotzer (S), GPA-Vorsitzender Hans Sallmutter und AKNÖ-Präsident ÖGB-NÖ-Vorsitzender Josef Staudinger, von denen ebenso wie von ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch und dem Vorsitzenden der Gewerkschaft der Chemiearbeiter, Wilhelm Beck, Vorworte stammen. Ebenfalls ins Traiskirchner Rathaus gekommen war der frühere Semperit-Vorstand Werner Kraus.

Semperit stehe heute für "vergebliches Bemühen, diesen stolzen Betrieb aufrechtzuerhalten", sagte Sallmutter. Das Buch bezeichnete er als "Aufarbeitung der Geschichte" und gleichzeitig als "Trauerarbeit". Es werde "sinnvoll und wertvoll" sein, in der Dokumentation auch in einigen Jahren noch nachzublättern, merkte Staudinger an.

Knotzer verwies auf Verhandlungen mit Conti, das leer stehende Werk zu erwerben. Derzeit bestünden jedoch noch große Differenzen beim Kaufpreis. "Wir wissen, wie schnell eine Industrieruine verfällt." Ziel sei es, zukunftssichere Arbeitsplätze in das Areal zu bringen. An die Bundes- und Landespolitik richtete der Bürgermeister den Appell, diesbezüglich Hilfe zu leisten.(APA)

Service:
"Ohne jede Chance. Der Fall Semperit", von Manfred Bauer, Alfred Artmäuer und Julius Böheimer, erschienen im ÖGBverlag, 192 Seiten, Preis: 21 Euro)
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